Nachrichten aus der Oberliga Westfalen (21. August 2007)


Die Oberliga Westfalen boomt am 4. Spieltag. Fast 9.000 Zuschauer sahen 41 Tore und fünf Heim- bzw. vier Auswärtssiege. Im Schnitt vielen 4,56 Treffer pro Spiel, ein Wert der schon lange nicht mehr erreicht wurde! Im Münsterlandderby vor mehr als 4.300 Zuschauern behielt der SC Preußen Münster mit 4:2 die Oberhand beim bis dato Tabellenführer FC Eintracht Rheine und erklomm erstmals die Tabellenspitze. Dicht dahinter folgen wie erwartet die Zweitvertretungen der Bundesligisten Schalke 04 und VfL Bochum. Die Spvgg. Erkenschwick kam beim 4:1 über den bis dahin ungeschlagenen Aufsteiger Germania Gladbeck zu ihrem ersten Saisonsieg. Weiter erfolglos sind hingegen die Aufsteiger TSG Sprockhövel und SC Wiedenbrück 2000, die auch den Tabellenkeller einnehmen.



Spannung, Dramatik, Emotionen und traumhafte Rahmenbedingungen – das Spiel der Preußen bei Eintracht Rheine verdiente sich nachhaltig das Prädikat Spitzenspiel. Noch lange nach dem Abpfiff feierten die Preußen-Anhänger ihre Helden und wollten immer wieder “die Mannschaft sehen“. Doch leider wurde die Tabellenführung bitter erkauft. Der 35 Jahre alte Routinier Marco Antwerpen, der eigentlich nach dieser Spielzeit seine Karriere beenden wollte, zog sich nach einem Zweikampf einen Patellasehnenriss zu und wurde bereits operiert. Der Torjäger wird sechs bis acht Monate pausieren müssen. Frühestens zum Ende der Rückserie kann mit Antwerpen wieder gerechnet werden.



Rheines Togolesischer Nationalspieler Ousseni Labo, der eigentlich nach dem Spiel gegen Münster direkt zu einem Länderspiel gegen Sambia fliegen sollte, hatte ebenfalls das Pech auf seiner Seite. Sein Flieger von Amsterdam hatte vier Stunden Verspätung, so dass der Flügelflitzer in Casablanca ohne Anschlussflug fest saß. So tippte sich anschließend SCE-Trainer Jürgen Prüfer die Finger am Telefon wund, um Togos Nationaltrainer Stephen Keshi über die missliche Situation aufzuklären.



Auch vom Angstgegner Westfalia Herne ließ sich die zweite Mannschaft des VfL Bochum diesmal nicht aufhalten. Mit 2:1 feierte die Mannschaft von Trainer Nico Michaty den dritten Sieg in Serie und kletterte auf den zweiten Tabellenplatz. In der 93. Spielminute setzte sich Neuzugang Jürgen Duah energisch im Strafraum durch und traf mit einem Flachschuss zum umjubelten Siegtreffer. "Kompliment an mein Team, wie es nach dem späten Ausgleich wieder zurück in die Begegnung gefunden hat", lobte Nico Michaty sein Team, tritt aber im gleichen Atemzug auf die Euphoriebremse: "Der zweite Platz ist eine schöne Momentaufnahme, erreicht haben wir aber noch nichts. Zwei Tage dürfen wir uns freuen, dann gilt unsere ganze Aufmerksamkeit aber wieder der Partie gegen Lotte am kommenden Sonntag."



Mit 2:0 gegen einen schwachen SC Wiedenbrück gelang Schalke 04 II der erste Heimerfolg der laufenden Saison und bescherte Platz drei in der Tabelle. Im Horster Fürstenbergstadion waren die jeweils eingewechselten Brendel und Risser in der zweiten Halbzeit für die Schalker erfolgreich. Im ersten Durchgang enttäuschten die Gastgeber. "Da haben wir viel zu passiv und halbherzig gespielt", kritisierte Schalke-Trainer Mike Büskens, dessen Halbzeitansprache offenbar bei seinen Spielern Gehör fand. Die steigerten sich nämlich erheblich und hätten noch höher gewinnen können. Der Aufsteiger aus Wiedenbrück hatte in den gesamten 90 Minuten nicht eine echte Torchance.



Neben Preußen Münster sind nur noch die Sportfreunde Lotte nach dem 4. Spieltag ungeschlagen. Mit 4:2 wurde Aufsteiger TSG Sprockhövel abgefertigt. “Man sieht, dass etwas zusammenwächst“, strahlte hinterher SF-Coach Klaus Bienemann. „Ich denke, wir haben heute überzeugend gespielt. Gegen die Top-Teams der Liga müssen wir uns allerdings noch beweisen“, erwartet der erneut überragende Mittelfeld-Regisseur Florian Dondorf eine wirkliche Standortbestimmung erst in den kommenden Begegnungen.



Wie ein angeschlagener Boxer taumelt der FC Gütersloh derzeit durch den Ring, der Fußball-Oberliga heißt. Mit 0:3 unterlag man völlig verdient dem Aufsteiger SV Schermbeck im heimischen Heidewald. Gellende Pfiffe selbst der treuesten Fans, die nach dem 0:3 in der 26. Minute (!) bereits entsetzt ihre Fahnen und Transparente eingerollt hatten, sowie »Grübel-raus-Rufe« hallten durch das Stadion. Neben dem sportlichen Brandherd sorgen Querellen um »Superstar« Christian Knappmann für Schlagzeilen. FCG-Boss Norbert Wöstmann gab am Montag seinem Stürmer eine Woche Sonderurlaub, damit der sich “ab sofort um seine privaten Probleme kümmern und alle wichtigen Dinge regeln“ könne. Somit wird Knappmann beim nächsten Auswärtsspiel am Sonntag in Gladbeck nicht mit von der Partie sein. Noch einmal betonte Wöstmann, dass dem FC Gütersloh keine Anfrage von einem anderen Verein vorliege, der an der Verpflichtung Knappmanns interessiert sei. “Sobald ein Club an uns herantreten sollte, werden wir reagieren“, plant Güterslohs Präsident offenbar nicht mehr mit seinem ehemaligen Knipser.



Sieben Punkte aus vier Spielen: SF Oestrich-Iserlohn hat die Startphase besser als erwartet bewältigt und präsentierte sich beim 2:1 in Hamm erstaunlich gefestigt. "Selbstverständlich war das nach den Begleitumständen der letztwöchigen Niederlage gegen Lotte nicht“, sagte Trainer Oliver Ruhnert. Aber was sich im Pokalspiel in Horn andeutete, setzte sich am Sonntag fort. Die Mannschaft wirkt geschlossen und leistungsbereit, und sie kann gegnerischen Druck aushalten. "Bei Standardsituationen sind wir konzentrierter als in der letzten Saison. Wir bekommen die Kopfbälle, haben einen guten Torwart und sind deshalb einfach nicht mehr so anfällig“, analysierte der Coach. Aber er räumt ein, dass nach dem vierten Spieltag noch beträchtliches Steigerungspotenzial besteht.



Der SV Lippstadt kam beim verdienten 4:2 über die Zweitvertretung aus Ahlen zu seinem ersten Heimsieg der noch kurzen Saison. Allerdings ist Friedhelm Barczik als Präsident des Tabellenneunten am Montag überraschend zurückgetreten. Bereits seit einigen Wochen hatte sich angedeutet, dass die Chemie im Präsidium des SVL möglicherweise nicht mehr richtig stimmen würde. Friedhelm Barczik sowie die beiden Vizes Franz-Josef Günther und Simon Brenzinger traten kaum noch gemeinsam auf. Offenbar hatte es schon länger in der Führungsspitze gebrodelt. So kritisierte Barczik die Einkaufspolitik des Sportlichen Leiters: “Franz-Josef Günther hat 80 Prozent der Spieler rangeholt, ohne dass wir einen Trainer hatten!“ Er als Präsident sei praktisch vor vollendete Tatsachen gestellt worden. „So stelle ich mir Teamgeist nicht vor“, wetterte der 60-Jährige, “das ist einzig und allein seine Baustelle. Für mich ist das keine Vorgehensweise!“



Nachdem die Spvgg. Erkenschwick schon nach 15 Minuten im 0:1 im Rückstand lag, bewies das Team von Trainer Manni Wölpper Moral und beschenkte die Fans mit einem 4:1-Heimsieg. Sehr viel dazu beigetragen hatte Ex-Profi Francis Bugri in seinem ersten Pflichtspiel für die Ruhrpott-Elf. Zwei Torvorlagen und ein auf der Linie verhinderter Treffer sprechen Tatsachen. Als der Mittelfeldspieler nach seinen ersten 73 Arbeits-Minuten im Stimberg-Stadion das Feld verließ, prasselte ein langer, warmer Beifall auf den 26-Jährigen ein. Bugri selbst war am Ende zufrieden. “Mein bestes Spiel war’s aber noch nicht“, so der 40-fach Junioren-Nationalspieler, der 2002 mit Borussia Dortmund Deutscher Meister wurde. Der sieht sich selbst als Teil eines gestern tadellos funktionierenden Kollektivs. “Der Druck war schließlich enorm. Aber wie wir nach dem Rückstand in den Zweikämpfen präsent gewesen sind, das war schon klasse.“



Jörg Weber wähnte sich nach dem überzeugenden 5:2-Erfolg über Delbrück einen entscheidenden Schritt weiter. "An dieser Leistung werde ich die Jungs in den kommenden Wochen messen", sagte der Trainer von Arminia Bielefelds Amateuren. Erstmals in dieser noch jungen Spielzeit baute der Bundesliga-Nachwuchs den nötigen Druck auf, um einen Gegner über längere Zeit zu beschäftigen.

Unitymedia