Nachrichten aus der Oberliga Westfalen (28.08.2007)

Nach dem 5. Spieltag der Oberliga Westfalen lassen sich bereits erste Tendenzen festmachen. Spitzenreiter Preußen Münster (13 Punkte) fertigte Aufsteiger SV Schermbeck mit 5:1 ab und geht weiter den geplanten Weg Richtung Regionalliga. Knapp 4200 erlebten mitreißenden Offensiv-Fußball im antiken Preußen-Stadion. Hinter Münster hat sich bis Platz sechs ein Verfolgerfeld aufgestaut, das allesamt 10 Punkte aufweist. Gladbeck, Lippstadt, Rheine, sowie die Zweitvertretungen von Bochum und Schalke rangeln um die begehrten vier Regionalliga-Qualifikationsplätze. Am Tabellenende verbleiben weiter Gütersloh (erst ein Sieg), sowie die noch sieglosen Aufsteiger aus Sprockhövel und Wiedenbrück.


Euphorie im Münster – die Freitagabend-Spiele "auf Preußen" haben schon etwas Besonderes: große Kulisse, tolle Stimmung und viele Tore. Keiner der anwesenden Zuschauer wird sein Kommen bereut haben, denn es gab beim überragenden 5:1-Sieg gegen Aufsteiger Schermbeck Fußball-Kost vom Feinsten zu sehen. Den Aufschwung verspürt Preußen-Manager Carsten Gockel am deutlichsten. Die Geschäftsstelle vermeldet in den Öffnungszeiten Hochbetrieb, die so genannte Schallmauer von 400 Dauerkarten ist durchbrochen. Mit 2000 bis 2500 Zuschauern wurde vor dem Saisonstart in den Heimspielen konservativ kalkuliert. Nun beträgt der Schnitt knapp 4000 Besucher mit Tendenz nach oben. Gockel: “Das alles konnte man so nicht erwarten.“ "Wir sind und bleiben leider nur ein kleiner Bauernverein", kommentierte hingegen Schermbecks Trainer Martin Stroetzel nach dem Spiel. "Aber die Ansprüche der Preußen sind sicherlich auch andere als bei uns", fügte SVS-Vorsitzender Johannes Brilo hinzu.


Dank einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit feierte Germania Gladbeck im dritten Heimspiel der Saison den dritten Erfolg und festigte Platz zwei in der Tabelle. Für den mit hohen Ambitionen in die Saison gestarteten FC Gütersloh gab es dagegen eine 0:3-Abfuhr. Einige aus Ostwestfalen angereiste Zuschauer nahmen die neuerliche Pleite ihrer Mannschaft zum Anlass, um sich nach dem Abpfiff im Wittringer Stadion gehen zu lassen. Erst als die Polizei eintraf, beruhigten sich die Gemüter wieder. Derweil ist das anfangs von Toren gekrönte, längst aber von theaterreifen Episoden geprägte Intermezzo von Torjäger Christian Knappmann beim FC Gütersloh beendet. Der FCG-Vorstand löste den Vertrag mit dem zuletzt als "Motzki" und "Superstar" titulierten Stürmers "in beiderseitigem Einvernehmen" auf. Knappmann spekuliert nun mit einer Rückkehr zum KFC Uerdingen. Offen ist weiter die Personalie Gazwan Avakhti, der bei Präsident Wöstmann ebenfalls in Ungnade gefallen ist.



Der SV Lippstadt 08 feierte beim 3:0-Auswärtserfolg in Wiedenbrück den dritten Sieg in Folge und steht nun auf Platz drei. Knapp 1000 Zuschauer sahen im Jahnstadion allerdings eine mäßige Partie, die in der ersten Halbzeit auf keinem hohen Niveau stand, dann aber nach der Pause wenigstens noch einige Höhepunkte zu bieten hatte. So sah der gerade erst eingewechselte Josef Ivanovic zunächst die Gelb/Rote Karte (58.), weil er sich mit dem Schiedsrichter angelegt hatte, und dann musste der ebenfalls eingewechselte Dirk Flock nach einem rüden Foulspiel mit der Rote Karte (78.) vom Platz. In doppelter Unterzahl hatte die Elf von SCW-Trainer Jürgen Gessat gegen keineswegs überzeugende Lippstädter keine Chance. Nach dem Rücktritt von Friedhelm Barczik als Präsident des SV Lippstadt wird der Verein bis zur nächsten Jahreshauptversammlung (Ende 2007/Anfang 2008) von "Vize" Franz-Josef Günther und Simon Brenzinger geführt.


In einem temporeichen und rassig geführten Oberligaduell trennte sich die zweite Mannschaft des VfL Bochum von den Sportfreunden aus Lotte 1:1 unentschieden. "Mit dem Ergebnis können und müssen wir zufrieden sein", bilanzierte VfL-Coach Nico Michaty nach abwechslungsreichen 90 Minuten, um gleich hinzuzufügen: "Mit der Leistung meiner Mannschaft bin ich einverstanden." Aber auch Lotte zeigte sich gut organisiert und präsentierte seine Offensiv-Qualitäten in Bochum. Unterm Strich ein für alle gerechtes Remis.


Von "ärgerlich" bis "geht in Ordnung" lauteten die Kommentare nach dem Spiel des FCE Rheine gegen Schalke 04 II. Die 718 Zuschauer waren unentschieden in ihrer Meinung. Und so ging's letztlich auch aus: 0:0 trennten sich beide Mannschaften. Ousseni Labo, frisch gebackener Nationalspieler von Togo, saß im Spiel seines FC Eintracht Rheine in der ersten Halbzeit auf der Bank. Nach dem Reisestress um die halbe Welt war Labo einfach kaputt. Er wurde auch für das nächste Spiel Togos nominiert. Am 8. September geht es gegen Mali. "Ich gehe davon aus, dass er uns gegen Arminia Bielefeld II fehlen wird", sagte FCE-Coach Jürgen Prüfer.


“Wenn es so etwas wie einen Fußballgott gibt, so hat er uns heute endlich mal belohnt“, atmete Erkenschwicks Trainer Manni Wölpper nach dem verdienten 2:1-Sieg in Oestrich auf. Bis zur 89. Minute hatte es nicht danach ausgesehen, als sollten die Platzherren vor 700 Zuschauern als Sieger vom Feld gehen. Chancen hatten die Schwarz-Roten in der Schledde zu genüge gehabt, aber sie nicht genutzt. In der 90. Minute traf Dennis Warncke zum Ausgleich mitten ins Oestricher Herz, in der 93. Minute versetzte Spvgg.-Verteidiger Alexander Thamm mit seinem wuchtigen Kopfball zum 2:1-Erfolg den Sauerländern den Todestoß. Oestrichs Coach Oliver Ruhnert: "Keine Frage, dass der Erkenschwicker Sieg verdient ist. Die Mannschaft war einfach besser, hat gefälliger und klarer kombiniert.“


Nach dem Schlusspfiff der Partie zwischen der TSG Sprockhövel und der Hammer SpVg. ließen fast alle Spieler von TSG-Trainer Robert Wasilewski die Köpfe hängen. Dabei hatte die TSG das Spiel gar nicht verloren, aber das 0:0 schmerzte sehr. Fünf Spiele - und noch immer kein Sieg. Die Sprockhöveler stehen genau da, wo sie auf keinen Fall hin wollten, nämlich tief im Tabellenkeller. Dabei sind die Gründe für das ausbleibende Erfolgserlebnis schnell genannt. Während die Defensive sich gut präsentiert, bereit die Offensive große Sorgen. "Es ist das alte Lied", meinte ein völlig genervter und enttäuschter Robert Wasilewski. "Wir sind einfach viel zu harmlos. Wir müssen endlich auch einmal ein Tor schießen. Zwei Punkte aus fünf Spielen - das ist natürlich viel zu wenig. Da muss mehr kommen."


Die Erleichterung war riesig. Als Schiedsrichter Martin Gropengießer die Oberliga-Partie zwischen dem Delbrücker SC und Westfalia Herne abpfiff, fiel von den Gastgebern eine Zentnerlast ab. 1:0 - das erste Heimtor der Saison brachte auch die ersten Punkte im AM-Stadion. DSC-Kapitän Rino Capretti erzielte das goldene Tor in Unterzahl, nachdem Teamkamerad Jan Welker wegen einer Tätlichkeit vom Platz flog. DSC-Coach Werner Koch war danach einfach nur glücklich: “Die Messlatte lag hoch, selbst ein Unentschieden wäre heute unbefriedigend gewesen. Daher freue ich mich sehr, auch wenn es eine Zitterpartie war.“


Die Zweitvertretung von RW Ahlen wandelte in der letzten Viertelstunde trotz numerischer Unterzahl (Deniz Sahin sah die Rote Karte nach einer Notbremse) einen 1:2-Rückstand noch in einen 3:2-Sieg gegen die Amateure von Arminia Bielefeld um. Ausgerechnet Ex-Armine Philipp Heithölter markierte in der 76. Minute mit seinem kunstvollen Freistoss den 2:2-Ausgleich. Danach brachen bei den Bielefeldern alle Dämme. Die Hausherren besaßen sechs (!) Großchancen in den letzten 13 Spielminuten - fünf davon nach ruhenden Bällen. Für die größte allgemeine Verunsicherung im Bielefelder Defensivverbund sorgten drei aufeinander folgende Eckbälle (86.), nach denen Ahlen mindestens einen Treffer hätte erzielen müssen. Erst Danilo Evangelista stellte mit seinem Kopfballtreffer in der Nachspielzeit den Erfolg sicher. Wir haben uns unser Glück erarbeitet", meinte hinterher RWA-Coach Manfred Christel. Dagegen wetterte Arminen- Trainer Dr. Jörg Weber: "Wir waren dumm und sorglos - wie Chorknaben!"
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