Nachrichten aus der Oberliga Westfalen (04.09.2007)

Am 6. Spieltag der Oberliga Westfalen sahen 6053 Zuschauer 25 Tore und erlebten dabei einen souveränen Tabellenführer aus Münster, der sich durch einen 3:0-Sieg beim FC Schalke 04 II nunmehr um 5 Punkte von den Verfolgern absetzen konnte. Dahinter folgen Lippstadt und Rheine, die sich bereits am Freitag friedlich 1:1 trennten. Von Platz 4 (Gladbeck, verlor 1:2 in Schermbeck) bis Platz 12 (RW Ahlen II, gewann mit 2:1 in Herne) tummelt sich ein breites Mittelfeld mit 10, bzw. 9 Punkten. Überraschend verloren die Bochumer Amateure mit 0:1 in Hamm, während die mit großen Ambitionen gestarteten Sportfreunde Lotte zu Hause gegen Angstgegner Delbrück nur zu einem 1:1 kamen. Erkenschwick (1:0) gelang gegen die weiter erfolglose TSG Sprockhövel der dritten Dreier in Folge. Der Tabellenletzte aus Wiedenbrück rutschte bei Arminia Bielefeld II mit 4:0 böse unter die Räder; alle Treffer erzielte Bundesligaprofi Abdelaziz Ahanfouf. Dem krisengeschütteltem FC Gütersloh gelang mit einem 5:1 über Oestrich der erste Heimsieg und lässt für die Zukunft hoffen.

Langsam wird es unheimlich, der SC Preußen Münster im Höhenflug durch die Liga! Mit einem klaren 3:0 bei Schalke II machten die Adlerträger einen Riesensprung in der Tabelle, da sämtliche Konkurrenten patzten. Die Zuschauer sahen 90 Minuten einmal mehr eine an Souveränität kaum zu überbietende Vorstellung, dann wollten die rund 1300 mitgereisten Preußen-Fans nur noch „den Trainer sehen“. Der sonst eher zurückhaltende Roger Schmidt folgte dem Ruf, genoss den Moment, wirkte aber auch etwas verlegen, als er am Zaun zig Hände abklatschte, die Jubelstürme der großen Fan-Gemeinde über sich ergehen ließ. Euphorie allenthalben, im nächsten Heimspiel gegen Gladbeck soll die 5000 Zuschauer Marke fallen. Mittlerweile gibt es beim Spitzenreiter einen Engpass an Fan-Artikeln, die zurzeit wie warme Semmeln über den Ladentisch gehen!

Im Verfolgerduell zeigten der SV Lippstadt 08 und Eintracht Rheine erfrischenden Offensivfußball vor 1000 Zuschauern mit einem leistungsgerechten 1:1-Endstand. Danach vermeldete Lippstadt die Verpflichtung des Ghanaischen U20-Nationalspielers Kwaku Afriyie, der zuletzt beim Nord-Regionalligisten RW Erfurt unter Vertrag stand. SVL-Trainer Trainer Oliver Roggensack freut sich derweil auf den 20-Jährigen: “Er ist ein beidfüssiger Mittelstürmer, sehr dribbelstark und dazu torgefährlich.“

Dem SV Schermbeck gelang ein 2:1-Zittersieg gegen den bisher starken Aufsteiger aus Gladbeck. Erst zwei Tage vor Ablauf der Wechselfrist Ende August verloren die Germanen überraschend Kapitän Irfan Durdu und Mittelfeldregisseur Engin Yavuzaslan an den Verbandsligisten VfB Hüls, der mit aller Macht zurück in die Oberliga will. Gladbeck führte überlegen mit 1:0, doch nach einer Stunde wandelte Schermbeck trotz Unterzahl (Hahn sah die Rote Karte wegen Foulspiels) das Match noch in einen 2:1-Sieg um. Der SVS hat mittlerweile einen weiteren Neuzugang zu vermelden. Der Australische Offensivspieler Andrew Barisic hat sich kurzfristig den Rot-Weißen angeschlossen, nachdem er zuletzt in Kroatien keinen Verein gefunden hatte.

Das 1:1-Unentschieden, das die Sportfreunde Lotte gegen den Angstgegner SC Delbrück erreichten, war weder Fisch noch Fleisch. Es war allerdings ein leistungsgerechtes Ergebnis. Beide Teams hatten dank hochkarätiger Chancen hüben wie drüben die Möglichkeit, die Entscheidung herbeizuführen. Doch Torhüter André Poggenborg auf Lotter Seite sowie Delbrücks Keeper Marco Kirchhoff waren letztlich der Faustpfand für einen Teilerfolg. Letztlich konnten sich die Sportfreunde nicht beklagen. Denn mit dem Remis waren sie gut bedient, obgleich die Spieler hinterher den vergebenen Gelegenheiten, die sich vor allem in der ersten Halbzeit ergaben, nachtrauerten. Doch auch Delbrücks Trainer Werner Koch hatte recht, als er hinterher feststellte: „Nach dem 1:1-Ausgleich hätte wir auch das 2:1 anbringen können. Von Lotter Seite kam nicht mehr viel.“

In Hamm musste die zweite Mannschaft des VfL Bochum mit einer 0:1-Niederlage einen herben Rückschlag im Kampf um die vorderen Tabellenplätze der Oberliga hinnehmen. Das Tor des Tages fiel nach einer Stunde durch einen umstrittenen Handelfmeter. "Eine mehr als zweifelhafte Entscheidung. Doch es wäre sicherlich zu einfach, die Niederlage am überforderten Schiedsrichter-Gespann fest zu machen. Das ist eine mehr als ärgerliche Niederlage. Bei einigen meiner Spieler fehlte die letzte mentale Frische", erklärte hinterher VfL-Trainer Nico Michaty.

Er gilt in Arminias Profiabteilung als Fehleinkauf, dem schon ein Wechsel nahe gelegt wurde. Doch beim 4:0 von Arminias Amateuren über den überforderten Neuling SC Wiedenbrück schoss der viel gescholtene Abdelaziz Ahanfouf alle vier Treffer. Und kündigte anschließend an, in der Bundesliga noch mal angreifen zu wollen. Die Zuschauer verabschiedeten den nach getaner Arbeit früh ausgewechselten Torjäger mit lang anhaltendem Beifall. Trainer Jörg Weber bescheinigte seinem Matchwinner, "ein echter Strafraumstürmer mit für uns unheimlich wichtigen Qualitäten" zu sein, und Ex-Profi Detlev Dammeier lobte, "dass Aziz offenbar endlich seinen lange verlorenen Torriecher wieder gefunden hat". Nach dem sechsten sieglosen Spiel in Folge wackelt nun der Stuhl von Wiedenbrücks Coach Jürgen Gessat.

Nach dem dritten Sieg in Serie – dem 1:0 über Aufsteiger TSG Sprockhövel – sieht die Welt in der Tabelle für die Spvgg. Erkenschwick wieder rosig aus, schließlich ist man nur zwei Punkte von Platz zwei entfernt. Die Mannschaft von Trainer Manni Wölpper tat sich zunächst sehr schwer gegen defensiv ausgerichtete Sprockhöveler. Wiederum war es Verteidiger Alexander Thamm vorenthalten per Kopfballtreffer für die Entscheidung zu sorgen, wie schon in der letzten Begegnung gegen Oestrich. “Egal, Mund abputzen und weiter“, so Spielführer Martin Setzke nach dem Arbeitssieg.

RW Ahlen II gewinnt durch ein spätes Siegtor überraschend mit 2:1 bei Westfalia Herne, die zuvor durch zwei Feldverweise geschwächt waren. Herne kassierte damit im sechsten Saisonspiel bereits die vierte Schlappe und hechelt der Konkurrenz hinterher. Dazu Coach Frank Schulz: "Fakt ist: Vier Punkte sind absolut zu wenig." Ahlens Treffer in der vorletzten Minute wirkte wie ein Stich ins Wespennest, denn einige Herne Fans flippten nun aus. Ordner forderten Verstärkung an, die sie in Form von zwei Bullis und drei Streifenwagen von der Polizei bekam, die die randalierenden Anhänger schließlich unter Kontrolle brachte. “Hier zu bestehen, war eine lehrreiche Erfahrung in jeder Beziehung“, befand abschließend RW-Trainer Manfred Christel.

Der mit vier Niederlagen in fünf Spielen und erschreckend schwachen Leistungen gestartete FC Gütersloh besiegte die Sportfreunde Oestrich-Iserlohn mit 5:1. Unmittelbar nach Beendigung des Theaters um die Personalien Knappmann und Avakhti sendeten die FCG-Kicker damit auch wieder ein mannschaftliches Lebenszeichen. Für den sportlichen Neuanfang stand der Mann des Tages: Daniel Barton, erstmals in dieser Saison für die Anfangself nominiert, erzielte drei Treffer. Der FCG vermeldete anschließend die Verpflichtung von Pierre Hallé. Der 26-jährige Stürmer aus Kamerun soll für weitere Treffer sorgen. Geht es nach Alfons Beckstedde, ist Hallé nicht die letzte Nachbesserung des als zu schwach empfundenen Kaders. "Wir müssen noch was machen", forderte der Trainer, nach dessen Verpflichtung am 14. Juni bereits die Spieler Fischer-Riepe, Klöckner und Fiore geholt und sieben Verträge aufgelöst wurden. Der mittlerweile in die 2. Mannschaft abgeschobene Gazwan Avakhti ist der achte Abgang aus dem ursprünglichen Oberligakader.
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