Nachrichten aus der Oberliga Westfalen (30.10.2007)

Der 14. Spieltag der Oberliga Westfalen barg einige Überraschungen: Die ersten Vier der Tabelle konnten nicht dreifach punkten und ließen die Möglichkeit sich weiter abzusetzen ungenutzt. Das Spitzenspiel zwischen Lotte und Preußen Münster vor 3640 Zuschauern endete 1:1. Mehmet Kara brachte die überlegenen Gäste aus Münster in Führung, Florian Dorndorf erzielte kurz vor Ende der Partie den Ausgleich für die Sportfreunde. Die Zweitvertretung des VfL Bochum musste eine unerwartete Niederlage gegen den Delbrücker SC einstecken. Peter Berhorst besorgte mit zwei Handelfmetern den 2:1-Auswärtssieg für den DSC. Auf Seiten der Bochumer verschoss Daniel Klinger einen Foulelfmeter. Die Spvgg. Erkenschwick kam in einer hochklassigen Partie gegen Arminia Bielefeld II nicht über eine 1:1 hinaus. Für die Schwicker traf Sascha Höhle aus 38 Metern zur 1:0-Pausenführung, für Arminia nutze Zlatko Janjic eine der Chancen zum Ausgleich. Die sich bietende Chance nutze der FC Schalke 04 II und schob sich durch ein 1:0 beim SV Schermbeck wieder auf einen Aufstiegsplatz vor. Begünstigst durch die Punkteteilung im Spitzenspiel und den Patzern von Erkenschwick und Bochum reichte den Schalkern ein Tor von Adrian Gurzynski aus der 16. Minute zum verdienten Sieg. Im 14. Spiel feierte die TSG Sprockhövel den ersten Sieg der Saison, behält aber weiterhin die rote Laterne. Kapitän Daniel Beuckmann markierte das goldene Tor. Germania Gladbeck verlor unter Neu-Trainer Srdjan Jankovic seine Heimbegegnung gegen den FC Eintracht Rheine mit 0:3. Gladbeck, in dieser Spielzeit schon mit fünf gelb-roten und drei roten Karten bestraft, verlor zudem Verteidiger Ahmet Özkaya durch einen weiteren roten Karton. Im zweiten Spiel unter dem neuen Coach Dieter Brei feierten der SC Wiedenbrück dank dreier Treffer von Sebastian Hermann einen wertvollen 3:0-Erfolg bei den Sportfreunden Oestrich-Iserlohn. Westfalia Herne schaffte durch ein überraschendes 3:0 in Hamm wieder den Anschluss ans untere Mittelfeld. Bereits am vergangenen Freitag besiegte der FC Gütersloh den Lokalrivalen aus Lippstadt mit 1:0.

Auch nach dem Unentschieden vor einer Woche gegen die Amateure des VfL Bochum kam Spitzenreiter Preußen Münster in Lotte nicht über ein 1:1 hinaus. Dass der Ausgleich fünf Minuten vor Spielende passierte war bitter genug und ließ die Begegnung für alle Preußenanhänger wie eine gefühlte Niederlage empfinden. "Umso ärgerlicher ist das Ergebnis, weil die Konkurrenz auch nicht gewinnen konnte. Wir hätten uns auf- und davonmachen können", bilanzierte SCP-Trainer Roger Schmidt hadernd. Um gleich wieder Realitätssinn walten zu lassen: "Na ja, auf und davon wären wir wohl nicht gewesen, aber zumindest hätten wir die Konkurrenz deutlich distanziert."

In einer vom Schiedsrichter geprägten Oberligapartie musste sich der VfL Bochum mit 1:2 gegen den SC Delbrück geschlagen geben. Die frühe Führung durch El-Nounou wurde durch einen Berhorst-Handelfmeter ausgeglichen. In der zweiten Hälfte verschoss Klinger einen Foulelfmeter, anschließend erzielte Delbrück durch einen weiteren fragwürdigen Handelfmeter (wiederum Berhorst) den Siegtreffer. In den letzten Minuten versuchte sich der VfL mit erfolglosem Brechstangenfußball. "Schon den ersten Elfer muss man nicht geben: die Hand war angelegt. Aber der zweite Elfmeter-Pfiff ... So ein Spiel hat man immer mal dazwischen", kommentierte VfL-Coach Nico Michaty. "Da hilft nur: abhaken und weiter!“

Die Erfolgsserie der Spvgg. Erkenschwick in der Oberliga Westfalen hält. Beim 1:1 gegen Arminia Bielefelds Reserve, die mit sechs (!) Bundesligaspielern angetreten waren, geriet sie zwar kräftig ins Wanken. Unter dem Strich aber trennten sich beide Mannschaften mit einem gerechten Remis. “Das Ergebnis wird eher der Spvgg. weiterhelfen als uns“, war Arminen-Coach Dr. Jörg Weber am Ende zwar nicht ganz zufrieden. Aber was sollte erst Manni Wölpper sagen? Nicht nur der Erkenschwicker Trainer hatte lange Zeit eine deutliche Spiel bestimmende Heimmannschaft gesehen. Und dass auch die Arminen Fußball zu spielen verstehen, sahen die 800 Zuschauer am Stimberg ein gutklassiges Oberligaspiel mit etlichen Torszenen hüben wie drüben.

Besser hätte der 14. Spieltag für den FC Schalke 04 II kaum laufen können. Die Königsblauen waren unter den ersten zehn oben platzierten Mannschaften die einzige, die einen Dreier landete. Und: Sie eroberte dank des 1:0-Erfolges beim SV Schermbeck den vierten Tabellenrang zurück. Dass seine Jungs jetzt wieder auf einem Platz stehen, der zur Qualifikation für die neue Regionalliga berechtigt, nimmt Trainer Mike Büskens zumindest äußerlich ohne Regung zur Kenntnis. "Wir hatten vor diesem Sonntag einen langen Weg vor uns und wir haben immer noch einen weiten Weg vor uns", sagte er. "Entscheidend ist der 34. Spieltag. Wenn wir dann immer noch an dieser Position stehen sollten, würde mich das bedeutend mehr interessieren."

Westfalia Herne kam in Hamm zu einem überraschenden aber zu keiner Zeit gefährdeten 3:0-Sieg. Die bissigen Strünkeder knüpften mit dem von Trainer Frank Schulz so oft herbei gesehnten "Quäntchen Glück" da an, wo sie gegen die Sportfreunde Lotte aufgehört hatten. Vor einer Woche schlugen sie die spielstarke Mannschaft aus dem Münsterland mit 4:2. Vor allem die Herner Offensiv-Abteilung konnte überzeugen und machte schnelle Tore. "Dieses Spiel", meinte hingegen Hamms Coach Thomas Stratos, "müssen wir ganz schnell abhaken."

Mit einer deutlichen Leistungssteigerung nach der Pause verdiente sich der FC Gütersloh den 1:0-Sieg gegen den SV Lippstadt. Der verdiente Lohn: Gütersloh rangiert jetzt mitten in der NRW-Ligazone. Der seit sechs Spielen ungeschlagene FCG verbesserte sich auf 19 Punkte, überholte den Derbykontrahenten und zog auf den 7. Tabellenplatz vor. Das Plus der Gütersloher ist inzwischen ihre mannschaftliche Geschlossenheit und das kompakte Auftreten.

Die Negativserie ist beendet: Nach zehn sieglosen Spielen gewann der FC Eintracht Rheine verdient mit 3:0 in Gladbeck. Und dass, obwohl Trainer Jürgen Prüfer wieder einmal kurz vor dem Anpfiff die geplante Aufstellung kurzfristig über den Haufen werfen musste. Die Gladbecker sind dagegen nun seit fünf Spielen ohne Sieg und warten seit fünf Spielen auf ein Tor. In der Tabelle rutscht das Team auf den zwölften Platz ab. Trotz aller Kritik, die er übte, stellte sich der neue Gladbecker Übungsleiter vor die Mannschaft. "Wenn sie verliert, ist der Trainer schuld", meinte Srdjan Jankovic.

Im allgemeinen Chaos der Sportfreunde Oestrich versinkt jetzt auch die Mannschaft. Mit einer desolaten Leistung ermöglichte sie den Wiedenbrückern beim 0:3 den ersten Auswärtserfolg der Saison. Die Platzherren lieferten die schwächsten 90 Minuten der Saison ab und hatten nicht den Hauch einer Chance. Im zweiten Spiel unter dem neuen Trainer Dieter Brei feierte der SC Wiedenbrück dank dreier Treffer von Westfalenauswahlspieler Sebastian Hermann den wichtigen Dreier. Der Rückstand auf Rang elf schmolz auf sieben Punkte, die Hoffnung auf die Qualifikation zur NRW-Liga lebt wieder.

Schlusslicht TSG Sprockhövel hat in der Fußball-Oberliga endlich den ersten Sieg eingefahren. Gegen RW Ahlen II gewann die Mannschaft von Trainer Robert Wasilewski verdient mit 1:0. Die Erleichterung über den ersten dreifachen Punktgewinn war dem Trainer deutlich anzumerken: "Endlich mal", sagte er, nachdem seiner Mannschaft manchmal das Glück zu einem Sieg gefehlt hatte, zuletzt aber einfach auch die nötige Entschlossenheit. "Heute war auch die letzte Chance. Gerade zu Hause, mit bisher zwei geschossenen Toren und zwei Punkten, wollten wir unbedingt gewinnen", so Wasilewski.
Unitymedia