Nachrichten aus der Oberliga Westfalen (06.11.2007)

Spitzenreiter Münster legte bereits am Freitag-Abend ein 2:1 gegen den Delbrücker SC vor und zieht weiter einsam seine Kreise. Da die weiteren Anwärter auf die vier Aufstiegsränge patzten, dürfen sich die Schalker mit dem glücklichen 2:1 gegen Germania Gladbeck als Gewinner des Tages fühlen. Dabei sah es in der ersten Hälfte nicht nach einem Erfolg für die Knappen-Reserve aus. Schalke spielte schwach und lief dem Geschehen hinterher. Doch Germania schwächte sich durch eine Gelb-Rote Karte von Kadir Mutluer selbst (26.) und brachte die Schalker zurück ins Spiel. Bereits zwei Minuten nach dem Seitenwechsel nutzten sie die erste Gelegenheit zum Ausgleich durch Andre Kilian und spielten in der Folgezeit die Überzahl clever aus. Guiseppe Pisano traf letztlich zum 2:1-Siegtreffer. Durch den Erfolg schob sich die Bundesliga-Reserve wieder auf den zweiten Rang vor. Diesen Platz verspielte die Reserve des VfL Bochum mit einem enttäuschenden Remis bei Rot-Weiß Ahlen II. Trotz 2:0-Führung durch Sami El-Nounou und Mergim Mavraj reichte es für das Team von Nico Michaty nur zum 2:2. Ahlen schaffte durch einen Foulelfmeter kurz vor dem Halbzeitpfiff und einem weiteren Treffer zwei Minuten vor Ende der Begegnung noch den Ausgleich. Für die zuletzt so erfolgsgewohnte Spvgg. Erkenschwick setzte es sogar eine Niederlage beim Nachbarn aus Herne. Die Westfalia bot in der kampfbetonten Partie eine klasse Abwehrleistung und erkämpfte sich einen glücklichen 1:0-Heimsieg. Michael Baum vollendete in der 78. Minute einen Freistoß per Kopf und ließ die 1300 Zuschauer am Schloss Strünkede jubeln. Erkenschwicks Sturmlauf nach dem Rückstand brachte keinen Erfolg mehr ein. Für die Spielvereinigung Lotte reichte es nur zu einem 1:1 gegen die Hammer SpVg. Siege fuhren der FC Gütersloh und Eintracht Rheine ein. Gütersloh schlug im Ostwestfalenderby Arminia Bielefeld II mit 2:1. Rheine schickte die SF Oestrich-Iserlohn mit 3:0 nach Hause. Lippstadt bezwang den SV Schermbeck mit 3:1. Im Kellerduell erkämpfte sich die TSG Sprockhövel beim 2:2 in Wiedenbrück einen Punkt.

Das Spiel seiner Elf am Freitag gegen Delbrück wollte nicht nur Münsters Trainer Roger Schmidt, sondern auch den 4395 Augenzeugen trotz des 2:1-Arbeitssieges nicht so recht schmecken. Die Ergebnisse der Konkurrenz jedoch dürften den Geschmack von Schmidt voll getroffen haben. “Wir sind keine Computer. Wir können nicht jeden Sonntag Zauberfußball spielen“, verteidigte Schmidt seine Elf, wollte deren Leistung jedoch nicht schönreden. „Wir haben in vielen Spielsituationen die falsche Option gewählt, haben den Ball nicht laufen lassen, haben nicht klar, nicht sauber genug agiert“, meinte der Coach. Die Fans des Delbrücker SC rollten beim Gastspiel in Münster ein großes Transparent mit der Aufschrift "Danke Roger" aus. Damit wollten sie SCP-Trainer Roger Schmidt für die geleistete Arbeit beim DSC danken.

Mit Lorbeeren schmückt sich der FC Schalke 04 II in diesen Wochen nicht. Dennoch kann er derzeit mit großem Genuss auf die Oberliga-Tabelle schauen. Nach dem hart erarbeiteten 2:1-Sieg im Kreisderby gegen die DJK Germania Gladbeck rückten die Königsblauen erstmals in dieser Saison auf Platz zwei vor. Und: Der Vorsprung auf den Tabellenfünften aus Lotte beträgt jetzt vier Punkte. Die Schalker können sich also eine Niederlage erlauben, ohne aus den Rängen zu purzeln, die zur Qualifikation für die neue Regionalliga berechtigen. "Ich zolle den Gladbeckern großen Respekt. Sie waren der erwartet schwere Gegner und haben in Unterzahl aufopferungsvoll gekämpft", lobte S04-Trainer Mike Büskens. Die Germania blieb damit auch im sechsten Spiel in Folge ohne Sieg.

"Wenn man beim Gegner schon mit 2:0 führt, dann ist ein 2:2 nach 90 Minuten auf jeden Fall ärgerlich. Wir haben in Ahlen zwei Punkte liegen gelassen“, resümierte ein unzufriedener VfL-Trainer Nico Michaty nach der Oberliga-Partie in Ostwestfalen. Die Stimmung des Bochumer Trainers wurde außerdem dadurch getrübt, dass sein Torjäger vom Dienst, Sami El-Nounou, mit Verdacht auf Bänderriss im Sprunggelenk aus dem Spiel genommen werden musste. “Glück kann man sich auch erarbeiten“, freute sich hingegen Ahlens Coach Manfred Christel diebisch.

Es bleibt dabei: Der Tabellenvierte Spvgg. Erkenschwick kann gegen Westfalia Herne in der Oberliga einfach nicht gewinnen. “Leider haben wir bei einer Standardsituation gepennt”, kommentierte Trainer Manfred Wölpper das Kopfballtor von Michael Baum, das zugleich die stolze Serie der Schwarz-Roten von elf Spielen ohne Niederlage beendete. Und das ausgerechnet im alten Revierderby gegen Westfalia Herne. Eine ebenso vermeidbare wie überflüssige Niederlage, denn: Die Schwarz-Roten versäumten es in diesem Derby schlicht und ergreifend, aus ihrer spielerischen Überlegenheit das nötige Kapital zu schlagen. Fast 40 Minuten lang präsentierten die Gäste in Durchgang eins fast lupenreinen Einbahnstraßenfußball, der nur ganz gelegentlich von schüchternen Herner Konterversuchen unterbrochen wurde. Doch die ganz klaren Chancen blieben Mangelware, weil einfach die nötige Entschlossenheit vor und im Herner Strafraum vermisst wurde.

Und wieder nicht gewonnen. Seit vier Spielen warten die Sportfreunde Lotte nun schon auf einen Sieg. Auch am Freitagabend langte es gegen die Hammer Spielvereinigung nur zu einem 1:1, dem schon achten Unentschieden in dieser Saison. Dabei durften die Hausherren froh sein, überhaupt einen Punkt behalten zu haben. Nach einer katastrophalen ersten Halbzeit fand Lotte nur schwer ins Spiel. Die besseren Chancen lagen auf Seiten der Gäste. “Wir sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen und haben die erste Halbzeit völlig verschlafen“, so Lottes Trainer Klaus Bienemann.

"Ich habe gleich gesagt, dass die junge Mannschaft einfach Zeit braucht, um sich zu finden", so Güterslohs Teamchef Wolfgang Grübel nach dem 2:1-Erfolg in Bielefeld. Beim Sprung auf den sechsten Tabellenplatz half aber auch eine Arminia, die von ihren Regionalligaambitionen fast noch weiter entfernt ist, als es der Tabellenplatz zwölf ausdrückt. Nach dem Schlusspfiff versammelten sich die Spieler des FC Gütersloh an der Mittellinie, bildeten einen Kreis und sprangen in die Luft. Ganz so, als wollten sie ihren Teamgeist noch einmal öffentlich zur Schau stellen. Das "intakte Mannschaftsgefüge" nannte Trainer Ali Beckstedde als Hauptgrund für die jüngste Erfolgsserie der Ostwestfalen.

Der SV Lippstadt 08 kann vor heimischer Kulisse doch noch gewinnen. Die Elf von Trainer Oliver Roggensack siegte gegen Aufsteiger SV Schermbeck verdient mit 3:1 und feierte so nach dem 4:2 gegen RW Ahlen am 19. August auf dem Waldschlösschen ihr zweites Erfolgserlebnis in der laufenden Saison. “Das war nach den letzten Niederlagen ein ganz wichtiger Sieg für uns. Aber die Mannschaft hat sich gezeigt. Darüber habe ich mich heute besonders gefreut. Ich hoffe, dass wir uns die Tore, die wir nach der Pause nicht erzielen konnten, für das nächste Spiel aufgehoben haben“, so Roggensack.

Der FC Eintracht Rheine bestätigte den kleinen Aufwärtstrend und gewann auch das Heimspiel gegen die Sportfreunde Oestrich mit 3:0. Effektivster FCE-Stürmer war wieder einmal Marcus Fischer, der die Gäste aus dem Sauerland mit drei Treffern quasi im Alleingang erledigte. Rheines Coach Jürgen Prüfer hatte nach der Begegnung die Lacher auf seiner Seite: "Zweimal in Folge 3:0 - das glaubt man ja gar nicht!" Die Erleichterung war ihm anzumerken: "Wir dürfen durchatmen. Aber nicht mehr. Die Mannschaft hat wieder einmal bewiesen, wie unglaublich engagiert sie ist. Doch die letzten Wochen haben auch ihre Spuren hinterlassen. Nach dem 1:0 war keine Sicherheit zu erkennen. Erst nach dem zweiten Tor konnte man sehen, welche Möglichkeiten da sind." Die Talfahrt der krisengeschüttelten Sportfreunde Oestrich setzt sich damit unvermindert fort.

Bis sieben Minuten vor Schluss führte Schlusslicht TSG Sprockhövel beim Vorletzten SC Wiedenbrück mit 2:1 durch Yeboah und Hajra. Doch am Ende musste die Wasilewski-Elf den Ausgleich hinnehmen. Denn nachdem Scharpenberg für die Gastgeber das Anschlusstor erzielt hatte, witterte Wiedenbrück seine Chance und machte mächtig Druck. Die Bemühungen wurden belohnt durch Tavernas Ausgleich kurz vor dem Abpfiff. Ein paar Sekunden später hatte die Mannschaft von Ex-Profi Dieter Brei durch den agilen Kilic sogar noch die Chance zum Sieg.
Unitymedia