Nachrichten aus der Oberliga Westfalen (18.03.2008)

Den ersten Schritt für die neue NRW-Liga, nämlich den Nachweis der technisch-organisatorischen und sicherheitstechnischen Leistungsfähigkeit, haben die Vereine hinter sich. Am Montag um Punkt 15.30 Uhr verstrich die erste Frist, um die geforderten Lizenz-Unterlagen beim Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverband (WLFV) einzureichen, um sich einen der 18 zu vergebenen Plätze zu sichern. Der NRW-Liga-Beauftragte beim WFLV, Ralf Weigert: „Insgesamt sind rund 40 Bewerbungen eingegangen, wobei ich in der Kürze der Zeit nicht sagen kann, ob damit alle in Frage kommenden Bewerber ihre Unterlagen auch eingereicht haben". Auch über die Qualität der Unterlagen könnten aktuell noch keine Angaben gemacht werden. Am 15. April müssen die Bewerber nun die zweite Hürde überwinden, wenn auch die Unterlagen über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit jedes Klubs beim WFLV vorliegen müssen. Zu den Vereinen, die die Lizenz-Unterlagen für die NRW-Liga eingereicht haben, zählt auch die finanziell angeschlagene Spvgg. Erkenschwick. Für die Regionalliga beworben haben sich aus der Oberliga Westfalen der FC Schalke 04 II, Westfalia Herne, Preußen Münster, die Hammer Spvgg., der VfL Bochum II, Arminia Bielefeld II und der FC Gütersloh 2000. Die Spvgg. Erkenschwick, trotz sportlicher Perspektive, hingegen nicht.

Festgezurrt ist bereits der neue Rahmenterminkalender. Er sieht vor, dass der Ball in der Regionalliga vornehmlich samstags rollen wird. Der Startschuss für die neue Spielklasse fällt am 16. August. Die NRW-Liga, die Westfalenliga und die anderen Amateurligen ab Landesliga abwärts werden einen Tag später beginnen. Die Hinrunde in der Regionalliga und in der NRW-Liga endet am 13./14. Dezember. Bereits eine Woche später geht es mit der Rückrunde weiter. Der erste Spieltag nach der Winterpause ist für den 21./22. Februar terminiert. Der letzte Spieltag findet am 6./7. Juni 2009 statt. Die Westfalenliga, bisher Verbandsliga, die als 18er-Staffel starten wird, geht am 14. Dezember mit dem letzten Vorrunden-Spieltag in die Winterpause. Dort geht es am 8. Februar weiter. Die Saison endet am 7. Juni 2009.

Tabellenführer FC Schalke 04 II sorgte für das Highlight am 24. Spieltag der Oberliga Westfalen. Mit 6:1 deklassierten die Gelsenkirchener den SV Lippstadt in dessen Stadion. Die Knappen vergrößerten damit ihren Vorsprung auf vier Zähler. S04-Trainer Mike Büskens zeigte sich nach dem Abpfiff mit dem Auftritt seiner Elf sehr zufrieden: „Nach der Niederlage in Münster am vergangenen Wochenende wollten wir ein Zeichen setzen. Das ist uns eindrucksvoll gelungen. Wir haben von der ersten Minute erkenn lassen, dass wir dieses Spiel gewinnen wollten."

Für Verfolger Preußen Münster endetet das Gastspiel in Gladbeck mit einer Enttäuschung. Die Germania hingegen befindet sich nach der Winterpause sportlich weiter im Aufwind. Ein früher Treffer von Seyit Ersoy (6.) reichte den Hausherren um wichtige drei Punkte für den Ligaverbleib zu sammeln. Auf schwer bespielbarem Rasen im Wittringer Stadion hielt Germania dem Sturmlauf der Münsteraner in der zweiten Hälfte stand und ging damit als verdienter Sieger vom Platz. Preußen-Coach Roger Schmidt: „Der Gladbecker Sieg war nicht unverdient. Sie sind einfach zum 1:0 gekommen und standen danach sicher in der Defensive. Uns fehlte die Durchschlagskraft, die Platzherren hatten durch Konter die Möglichkeit, für eine Vorentscheidung zu sorgen. Unterm Strich geht der Sieg für Gladbeck in Ordnung."

Die Amateure des VfL Bochum schlossen durch ein hart erkämpftes 2:0 bei der Spvgg. Erkenschwick zu den Domstädtern auf. Torjäger Sami El-Nounou markierte nach 28. Minuten durch einen umstrittenen Foulelfmeter die 1:0-Führung und gleichzeitig seinen 19. Saisontreffer. Nach dem Seitenwechsel drängte Erkenschwick auf den Ausgleich, traf jedoch in mehreren Situationen nur Pfosten und Latte. Nach einer Gelb-Roten Karte für Erkenschwicks Markus Wood (63.) wurde auch Coach Markus Wölpper wegen Meckerns verbannt. Auf Seiten des VfL II sah kurz vor Ende der Partie Marc-Andre Nimptsch nach groben Foulspiel den Roten Karton. In der Nachspielzeit gelang Sebastian Westerhoff das 2:0 für die Bochumer.

Während Schalke, Münster und Bochum relativ sicher an der Spitze stehen, ging der spannende Kampf um das vierte Aufstiegsticket auch in dieser Woche weiter. Die Sportfreunde Lotte patzten zum dritten Mal in Folge und verloren auch ihr Heimspiel gegen RW Ahlen II mit 0:1. Lottes „Tormaschine“ Philipp Böwing-Schmalenbrock vergab dabei zwei Foulelfmeter. Damit die Regionalligaqualifikation nicht noch in Gefahr gerät, zog SFL-Chef Manfred Wilke am Dienstag die Notbremse. Klaus Bienemann ist nicht mehr Trainer der Sportfreunde Lotte – oder besser gesagt, er ist es bald nicht mehr. Die Sportfreunde suchen einen neuen Verantwortlichen. Der Hauptbeauftragte in dieser Suche ist: Klaus Bienemann, der ab sofort den Posten des sportlichen Leiters in Lotte bekleidet.

Die Gunst nutze der FC Gütersloh mit einem 2:1-Pflichtsieg gegen die TSG Sprockhövel und schloss die Punktelücke zu Platz vier. Pierre Hallé brachte sechs Minuten vor dem Abpfiff den Ball irgendwie (mit der Brust?) zum Siegtreffer über die Linie. Von den vier vor dem FCG platzierten Mannschaften holte nur Herne ein Pünktchen, sodass die Beckstedde-Crew auf den fünften Rang kletterte – punktgleich mit Lotte auf dem ersten Regionalliga-Qualifikationsplatz. „Intern haben wir vor der Saison das Ziel festgesetzt, unter die ersten vier zu kommen“, kommentierte FCG-Boss Norbert Wöstmann, den allerdings die abgebröckelte Zuschauerzahl im Heidewald wurmt.

Auch der Hammer SpVg. gelang ein wichtiger Sieg im Kampf um einen Regionalligaqualifikationsplatz. Hamm schlug den direkten Konkurrenten SC Delbrück durch Tore von Cyrille Bella (2x) und Christian Werner mit 3:1. Das HSV-Team rangiert nun wieder auf Platz sechs, punktgleich mit dem Tabellenvierten Sportfreunde Lotte. „Wenn die anderen nicht gewinnen, warum sollen wir dann die Augen verschließen?", freute sich Trainer Thomas Stratos über die Strauchler der Konkurrenz - aber auch über die gute Leistung seiner Schützlinge.

Westfalia Herne kam nur zu einem 1:1 gegen den Vorletzten SC Wiedenbrück. Zum Dreier reichte es nicht, weil die Herner zunächst um den Ausgleich bettelten, um in der Schlussphase beste Chancen auf das Siegtor zu verbaseln. „Dass der Gast uns spielerisch überlegen war, hat mich nicht überrascht. Ich habe Wiedenbrück vor der Saison zum Geheimfavoriten erklärt und weiß welch gute Fußballer sie haben”, zollte Hernes Trainer Frank Schulz, dem nun ein neuer Vertrag angeboten wurde, dem Gegner Respekt.

Mit einem 2:0 gegen Oestrich-Iserlohn schaffte auch der SV Schermbeck den Anschluss an die oberen Ränge. Stefan Zepanski (13.) und Christoph Konowski (45.) näherten neue Hoffnungen auf eine bessere Platzierung. „Heute zählt nur das Ergebnis", so SVS-Coach Martin Stroetzel über den Sieg, der wie eine Bewerbung wirkte. Die Qualifikation für die neue NRW-Liga rückt immer näher. Sechs Punkte beträgt jetzt der Vorsprung vor dem zwölften Rang.

In katholisch geprägten Regionen würde es allmählich Zeit, eine Kerze für Arminia Bielefelds Oberliga-Mannschaft anzuzünden. Beim 2:1-Erfolg gegen Eintracht Rheine war das Team zum zweiten Mal in Folge bei einem späten Treffer offensichtlich mit diversen Glück bringenden Heiligen im. Ein umstrittener Handelfmeter, den Umut Kocin in der 88. Minute verwandelte, lässt in Bielefeld die Hoffnungen auf die NRW-Liga-Qualifikation am Leben. „Meine Mannschaft tut mir einfach nur Leid, da sie schon vor zwei Wochen in Schalke unter ähnlich fragwürdigen Umständen verloren hat", sagte FCE-Trainer Hans-Dieter Jürgens nach der Partie, der mit den Entscheidungen von Schiedsrichter Stör überhaupt nicht einverstanden war.
Unitymedia