Nachrichten aus der Oberliga Westfalen (20.05.2008)

Bereits am letzten Freitag gewann Tabellenführer Preußen Münster souverän und abgeklärt beim Ex-Club von Preußen-Trainer Roger Schmidt mit 2:0 und bleibt auch nach dem 32. Spieltag weiter stramm auf Titelkurs. 1282 Zuschauer verfolgten die Party in Delbrück, durch die die Domstädter ihr Punktekonto (65) leicht vergrößern konnten, da Verfolger Schalke II (63) und VfL Bochum II (62) mit jeweils einem Unentschieden patzten. Seine spielerischen Möglichkeiten ließ der Klassen-Primus nur selten aufblitzen. Kämpferisch aber durfte sich hinterher jeder einzelne bei Roger Schmidt ein Sonderlob abholen.

Die Zweite Mannschaft der Schalker Knappen erreichte im Auswärtsspiel bei Germania Gladbeck ein 1:1-Unentschieden. Trotz des Punktes war Trainer Sven Kmetsch nach dem Abpfiff nicht zufrieden. „Ich hätte mir etwas mehr Lockerheit und Spaß am Spiel gewünscht“, gab der Coach, dessen Mannschaft den Aufstieg in die Regionalliga bereits vor einigen Wochen perfekt machen konnte, zu Protokoll. S04-Schlussmann Ralf Fährmann bewahrte seine Elf gleich mehrfach durch tollkühne Paraden vor einem Rückstand. Bodo Menze, der Leiter der Schalker Nachwuchsabteilung, gab nach dem Abpfiff Sohn Dominik einen leichten Klaps in den Nacken. Kein Wunder. Denn der für Gladbeck spielende Youngster hätte in der Schlussminute beinahe noch den Siegtreffer für die Germania erzielt.

Erledigt haben dürfte sich die Geschichte mit dem Oberliga-Titel für den Unterbau des VfL Bochum mit dem 1:1-Remis gegen die Ahlener Reserve. Nach starkem, temporeichen Beginn, als laut Nico Michaty seinen Angreifern nur „die letzte Konsequenz vor dem Tor" fehlte, flachte die Partie später stark ab und nahm Züge von „Sommerfußball" an, wie der VfL-Trainer einräumte. Verlassen werden den VfL am Saisonende neben Keeper David Buchholz (Münster), Marco Onucka (Herne) und anderen auch Marc-André Nimptsch, der zurzeit in Kontakt mit RWE-Trainer Michael Kulm steht, Suri Ucar, der sich noch orientieren muss sowie Dennis Yilmaz. Der Mittelfeld-Spieler, in der A-Jugend eine feste Größe beim VfL, liebäugelt mit einem Istanbuler Zweitliga-Klub.

Die Sportfreunde Lotte haben einen großen Schritt Richtung Aufstieg in die Regionalliga gemacht. Mit 2:0 setzten sich die Gäste bei der Hammer SV durch. Zwar besaß Hamm in der ersten Halbzeit mehr Spielanteile, doch zum Pausenpfiff stand es 0:0. In der 75. patzte Hamms Abwehrspieler Sven Dyballa, als er Lottes Torjäger Böwing-Schmalenbrock den Ball direkt in den Lauf spielte. Der nahm dieses Geschenk dankend an und machte mit seinem 20.Saisontreffer das wichtige 1:0 für die Sportfreunde Lotte. Nach diesem Treffer zogen sich die Gäste tief in ihre eigene Hälfte zurück. Kurz vor Schlusspfiff konnte Lotte auf 2:0 erhöhen. Den Aufstieg könnten die Sportfreunde in der kommenden Woche mit einem Heimsieg gegen Trainer Manni Wölppers alten Verein, der Spvgg. Erkenschwick, zumindest beinahe perfekt machen. Schließlich spricht das Torverhältnis im Vergleich zu Verfolger Herne ganz klar für Lotte. Kurz vor dem Spiel in Hamm einigten sich Lotte und der von vielen Clubs stark begehrte Torjäger Philipp Böwing-Schmalenbrock auf eine weitere Zusammenarbeit von einem Jahr. Vor allem von Spitzenreiter Münster war zuletzt immer wieder zu hören, man bemühe sich intensiv um den Spieler.

Die meisten Treffer des Spieltages fielen in Ostwestfalen. Insgesamt mussten beide Keeper zehn Mal hinter sich greifen. Die zweite Mannschaft von Arminia Bielefeld gewann am Freitagabend beim FC Gütersloh 2000 mit 6:4. Durch den Sieg der Arminia und den damit erreichten 11. Rang qualifiziert sich Arminia Bielefeld II momentan für die neue NRW-Liga. Direkt nach dem Abpfiff des FCG-Debakels überschlugen sich im „Heidewald" die Ereignisse. Die Mannschaft, Trainer Alfons Beckstedde sowie die Fans liefen gegen den neuen Vorsitzenden Detlef Burkhardt Sturm. Grund: Der neue „Boss" hat Gütersloh mit der Reduzierung des Etats um 50 Prozent einen knallharten Sparkurs aufs Auge gedrückt und stößt damit auf taube Ohren. „Unter diesem Präsidenten werde ich nicht weiterarbeiten", nimmt Beckstedde kein Blatt vor den Mund.

Ein Eigentor und zwei Kapitale Fehler ermöglichten dem Tabellenfünften Westfalia Herne einen klaren 3:0-Sieg bei der krisengeschüttelten Spvgg. Erkenschwick. Für die Erkenschwicker Fans war der Schuldige an der Misere schon lange klar ausgemacht: „Trautmann raus” und „Du machst den Verein kaputt” schallte es immer wieder von den Rängen in Richtung des Vorsitzenden des Traditionsklubs vom Stimberg. Und auch im sportlichen Bereich werden die Spuren der prekären Situation des Vereins immer deutlicher: Bedingt durch Verletzungen, Sperren und letztlich auch „mentale Probleme” im langsam weiter bröckelnden Kader standen gegen Herne in der Startelf gleich sechs U23-Spieler, von denen einer, A-Junior Max Böninghausen, bei seinem ersten Oberliga-Einsatz gleich die vollen 90 Minuten absolvierte und dabei leider ein Eigentor fabrizierte. Erst am Freitag gab der gegen Herne noch gesperrte Kapitän Martin Setzke dem Trainerduo Raimund Biester und Manfred Polfuß, die nach dem überraschenden Rausschmiss von Holger Flossbach die sportliche Verantwortung bis zum Saisonende übernehmen, im Namen der Mannschaft grünes Licht für die Partie gegen Herne. „Wir werden die letzten drei Spiele durchziehen", sagte Setzke vor dem Abschlusstraining. Setzke wird wie Teamkollege Zouhair Allali kommende Saison für Herne spielen.

Eine weitere schallende Ohrfeige hat sich FC Eintracht Rheine bei den Sportfreunden Oestrich eingefangen. Im Duell der Nicht-NRW-Liga-Qualifikanten watschten die Hausherren die Rheinenser mit 4:1 ab. Es war ein Spiel für die Statistik, das in unguter Erinnerung bleibt. Zweimal musste der Krankenwagen im Schleddestadion vorfahren, und besonders schlimm erwischte es Oestrichs Kagan Tabanoglu, der sich u.a. einen Schienbeinbruch zuzog.

Es geht doch! Mit einem 5:0-Sieg gegen Mit-Absteiger SC Wiedenbrück schaffte die TSG Sprockhövel noch einmal einen Achtungserfolg. Gerade einmal 20 Tore hatte Noch-Oberligist TSG Sprockhövel bislang geschossen. Doch jetzt kamen noch einmal fünf weitere hinzu. Den Gastgebern wurde es aber auch leicht gemacht. Denn Wiedenbrück legte über 90 Minuten ein geradezu abenteuerliches Abwehrverhalten an den Tag. Immer wieder versuchten sie auf Abseits zu spielen - und fast immer ging das schief. Und so hätten es weit mehr als fünf Gegentreffer werden können, wenn die Sprockhöveler ihre Chancen nur halbwegs genutzt hätten.

Ein kurzer Jubelschrei beim Abpfiff – und das war’s. Der SV Schermbeck ging nach dem 1:0-Heimsieg gegen den SV Lippstadt schnell zur Tagesordnung über, als wenn nichts Besonderes geschehen wäre. Dabei hat der Neuling in der Fußball-Oberliga Westfalen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sein großes Ziel schon zwei Spieltage vor Saisonschluss erreicht. Die Qualifikation für die NRW-Liga ist zu 99,9 Prozent perfekt. Lediglich Trainer Martin Stroetzel war nicht bereit, das Thema Abstiegskampf schon ganz abzuhaken. „Noch fehlt ein Punkt“, sagte er und wehrte vorzeitige Glückwünsche zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte erst einmal ab. Allerdings hat der Übungsleiter auch keinen Zweifel mehr daran, dass sein Team jetzt schafft, was das Ziel ist. „Ich gehe nicht davon aus, dass wir die letzten beiden Spiele verlieren werden. Dafür sind wir viel zu gefestigt.“
Unitymedia