Nachrichten aus der Oberliga Westfalen (27.05.2008)

Am 33.Spieltag der Fußball-Oberliga Westfalen sind einige Vorentscheidungen gefallen. Der SC Preußen Münster hat durch einen Dreier bei der Hammer SpVg. vorzeitig sein Meisterstück gemacht, während die Verfolger in Form der Zweitvertretungen des FC Schalke 04 und des VfL Bochum wiederum nur zu einem Remis gelangten. In einem wahren Hitchcock-Krimi in den letzten Spielminuten besiegten die Sportfreunde aus Lotte die Spielbereinigung Erkenschwick knapp mit 3:2 und sind mit drei Punkten und fünf Toren Vorsprung vor Verfolger Westfalia Herne auch so gut wie in der Regionalliga.

David Lauretta und Marius Sowislo trafen zum 2:0-Auswärtserfolg von Preußen Münster bei der Hammer SV, was gleichzeitig den letztmalig vergebenen Oberliga-Titel bedeutet. Der Vorsprung auf die Schalker Zweitvertretung beträgt nunmehr uneinholbare vier Punkte. „Für mich schließt sich der Kreis. Ich bin mit Hamm in den 90er Jahren auf diesem Platz in die Oberliga aufgestiegen. Vor zwei Jahren nahm unser missglückter Anlauf zur Regionalliga-Rückkehr hier mit dem 0:0 ihren Start. Jetzt haben wir vieles korrigiert. Es ist ein ganz besonderes Gefühl", sinnierte Teammanager Carsten Gockel bewegt. Flugs waren 50-T-Shirts verteilt, die den SCP-Clan als letzten Meister der Oberliga Westfalen manifestierten. Nach Kreispokal und Westfalenpokal nun die Westfalenmeisterschaft. Bei Spielern und Fans nahmen die Emotionen ihren Lauf in Form einer losgelösten Party. Eine wichtige Personalie ist allerdings gefallen. In der kommenden Regionalliga-Saison wird die Schalker Reserve von Markus Högner (41) trainiert. Er folgt auf Sven Kmetsch, der weiter im im Verein bleiben soll. Högner ist aktuell noch Trainer der U 19 von Alemannia Aachen.

Der Tabellenzweite aus Schalke kam dagegen zuhause gegen die Sportfreunde Oestrich-Iserlohn nicht über ein 1:1 hinaus. Es war eines jener Spiele, in dem es, wie der Volksmund sagt, nur noch um die goldene Ananas ging. Aber die schmeckte S04-Trainer Sven Kmetsch nach dem Abpfiff nicht. „Ich bin natürlich nicht mit dem Ergebnis zufrieden und mit der Art und Weise, wie es zustande gekommen ist, auch nicht", sagte er. Vor dem Hintergrund, dass die Schalker den Aufstieg in die Regionalliga schon längst geschafft haben und der Gegner aus Oestrich auch schon als Absteiger in die Westfalenliga feststeht, war allerdings kein spannendes oder hoch dramatisches Spiel zu erwarten. „Die Mannschaft spielt ja in dieser Besetzung in der nächsten Saison nicht mehr zusammen. Die meisten Spieler gehen weg, und bei einer ganzen Reihe von ihnen ist die Zukunft ungewiss", fasste der Coach zusammen. „Dass man solche Gedanken nicht aus dem Kopf kriegt, dass sie früher oder später zur Hauptsache werden, ist doch klar." Kein Wunder, dass beim letzten Kick im Fürstenbergstadion nur selten flüssiges Spiel zu sehen war.

Seitdem sie ihr Ziel und damit die Regionalliga erreicht haben, fehlt den Bochumern ein wenig die letzte Konzentration. Beim Tabellenvorletzten der Oberliga aus Wiedenbrück veranstaltete der VfL Bochum II ein munteres Scheibenschießen, hätte dabei jedoch den demnächst sechstklassigen Sportclub im heimischen Jahnstadion deklassieren müssen. Obwohl sechs Tore nicht für Zurückhaltung sprechen, bezeichnete Co-Trainer Markus Pilawa die eigene Torausbeute als „viel zu dürftig". Zehn bis 14 hundertprozentige Chancen hatte sich der VfL erspielt, die drei erzielten Treffer waren somit „völlig unbefriedigend". Pilawa vertrat im vorletzten Saisonspiel Trainer Nico Michaty, der sich auf Dienstreise befand.

Spannung pur beim Tabellenvierten aus Lotte. Durch Treffer von Martin Setzke (1.) und Zouhair Allali (18.) bei einem Gegentreffer von Thomas Piorunek (12.) lag die beherzt und mit Leidenschaft spielende Spielvereinigung Erkenschwick über lange Zeit des Spiels mit 2:1 in Führung. In den letzten zehn Minuten drehten die Sportfreunde aus Lotte durch Thomas Piorunek (81.) und Philipp Böwing-Schmalenbrock (84.) die Partie. Damit dürfte der Aufstieg eine Runde vor Schluss nur noch eine Formsache sein. Ausgerechnet Setzke mag Lottes Trainer Manfred Wölpper gedacht haben, denn Erkenschwicks Stürmer war einer der Spieler, der seine zuletzt nahezu trainingslose Mannschaft unter der Woche auf das Duell mit Ex-Trainer Wölpper eingestimmt hatte. „Ich wusste, dass Erkenschwick das Blut aus den Adern spritzt“, zeigte sich Wölpper wenig überrascht von einer motiviert auftretenden Gäste-Mannschaft. Und hatte danach eine ganze Menge gute Worte für seinen finanziell in Not geratenen Ex-Klub übrig: „Ich weiß, Erkenschwick lässt sich nicht unterkriegen und kommt wieder!”

Die Sportfreunde Lotte, dessen umgebautes und modernisiertes Stadion ein Vorbild in Sachen Marketing ist, konnten den positiven Saisonverlauf nun mit einem neuen lukrativen Sportausrüstervertrag krönen. Die dänische Firma Hummel ist für zwei Jahre absoluter Exklusivpartner der Sportfreunde und stattet den gesamten Verein aus, unabhängig ob NRW- oder Regionalliga! Bisher ist Hummel in Deutschland lediglich Exklusivpartner von Wacker Burghausen und dem VfB Lübeck. Vereinsmitglieder erhalten sogar 50% Rabatt auf die hochwertigen Sportartikel!

Lotte-Verfolger Westfalia Herne hoffte vergeblich auf einen Ausrutscher von den Sportfreunden Lotte gegen die Spvgg. Erkenschwick. Durch Tore von Arben Tahiri (52.) und Andre Badur (90.) besiegte der SCW den FC Gütersloh mit 2:0 und ist damit im letzten Spiel auf eine Niederlage von Lotte angewiesen. Die kleine Chance kann mit einem eigenen hohen Sieg beim SV Schermbeck eine Berechtigung erhalten. Der FC Gütersloh ist zwar sportlich für die neue NRW-Liga qualifiziert, doch droht ein Existenz bedrohendes Führungsvakuum. Seit Sonntag ist der Verein formal handlungsunfähig und zudem ohne Perspektive. Erst trat Detlef Burghardt, der im Verein einen rigorosen Sparkurs fahren wollte, nach nur 34 Tagen von seinem Amt als Präsident zurück, dann erklärte der neue Hoffnungsträger der Opposition, Wolfgang Schwake, seinen Verzicht auf eine Kandidatur.

DSC Arminia Bielefeld II vergab mit einer 2:3-Niederlage gegen den SV Schermbeck einen wichtigen Matchball, steht aber weiterhin auf den elften Rang, der die NRW-Liga bedeutet. Mit der punktgleichen Spvgg. Erkenschwick und der Zweitvertretung von RW Ahlen, die nur einen Punkt weniger aufweist, haben die Ostwestfalen gleich zwei direkte Konkurrenten im Nacken sitzen. „Wenn mir in der Winterpause jemand angeboten hätte, dass wir am letzten Spieltag aus eigener Kraft alles für die NRW-Oberliga klarmachen können, hätte ich diesen Vorschlag sofort angenommen", meinte Arminen-Trainer Detlev Dammeier. Am Sonntag stimmte ihn diese Vorstellung indes nicht mehr ganz so freudig, da „das jetzt natürlich statt einer geruhsamen noch einmal eine ganz heiße Woche werden wird".

RW Ahlen II erspielte sich durch einen 1:0-Erfolg über den Delbrücker SC die Möglichkeit der neuen NRW-Liga. Während auf dem Ahlener Marktplatz die Aufstiegsfete zur 2. Bundesliga tobte, musste die zweite Mannschaft RW Ahlens zum letzten Heimspiel in der Oberliga noch einmal antreten. Weil Wolfgang Holtz bei den Feierlichkeiten mitmischte, vertrat ihn der frühere Co-Trainer Marian Christel als Übungsleiter. Mit Erfolg! Mit phasenweise sechs A-Junioren ging ein extrem junges Team an den Start. In der ersten Hälfte schien es, als hätten beide Mannschaften einen Nichtangriffspakt geschmiedet. Die Tore standen jedenfalls nur zur Zierde auf der Südenkampfbahn herum. Chancen: Fehlanzeige. Erst nach dem Wechsel wurde die Partie munterer. Der für Artur Moor eingewechselte Janis Kraus sorgte für das goldene Tor.

Im letzten Heimspiel als Oberligist bemühte sich der FC Eintracht Rheine um Versöhnung. Gegen Schlusslicht Sprockhövel siegte die gescholtene Elf von Trainer Hans-Dieter Jürgens verdient mit 4:3. Der Rahmen des Abschieds entsprach dem sportlichen Niedergang: Ganze 157 Zuschauer verloren sich auf den Rängen des Auto Senger Stadions. Diese erlebten jedoch einen turbulenten Nachmittag mit sieben Toren und einen positiven Ausgang für die Heim-Mannschaft. Für wenige Sekunden hielten einige Zuschauer ein „Jürgens raus“-Plakat hoch, ließen das Transparent aber schnell wieder sinken.

Germania Gladbeck sicherte sich durch einen 3:2-Erfolg beim SV Lippstadt die sportliche Qualifikation für die NRW-Liga. 50 bis 60 Gladbecker unter den knapp 200 Besuchern im Stadion „Am Waldschlösschen” feierten gemeinsam mit der Mannschaft den Einzug in die neue Spielklasse. Trotz aller Rückschläge, die der Klub im Verlauf der Punkterunde immer wieder verkraften musste und die zum Teil selbst verursacht waren, trotz eines immer wieder aufkeimenden Tohuwabohus und trotz aller Anfeindungen haben es die Germanen geschafft, sich sportlich zu qualifizieren. „Ich bin glücklich”, kommentierte Gladbecks taktischer Berater Srdjan Jankovic, der das Team mit Trainer Miladin Lazic im Laufe der Hinrunde übernahm und in Kooperation mit dem Sportlichen Leiter Kerim Güler einen nicht zu unterschätzenden Anteil am sportlichen Erfolg der DJK Germania hatte. Gladbeck stellt das drittbeste Team der Rückrunde.
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