Presseberichte der Fussball Oberliga Westfalen vom 07.04.2007

Michael Strzys - große Taten statt großer Worte
Münster/Oer-Erkenschwick. - Als Mann der Worte wird er nicht in die Geschichtsbücher eingehen. Muss er auch nicht, solange Michael Strzys der Mann der Taten bleibt.

Oft kritisiert, am Donnerstag frenetisch gefeiert: Mit einem halben Dutzend erstklassiger Paraden sicherte der 24-Jährige den sensationellen 1:0-Erfolg der Spvgg. Erkenschwick in Münster. Wo er auf seiner persönlichen Skala dieses Spiel ansiedeln wolle? „Hm“, raunt Strzys nach dem Spiel, „schon ziemlich weit oben. Eigentlich aber ganz oben.“ Das kann der Recklinghäuser, mitten in der Saison als Stärkung für die Bezirksligamannschaft(!) gekommen, mit Fug und Recht auch behaupten. An seiner Oberliga-Eignung hat der gelernte Industriekaufmann, der im Sommer ein Studium der Sportwissenschaften anstrebt, allerdings nie gezweifelt. „Ich wusste, dass ich es drauf habe. Das habe ich zum Beispiel in Sprockhövel bewiesen, da war ich in der Oberliga Stammkeeper“, sagt Strzys. Pikante Randnotiz: Bei der TSG wurde der 24-Jährige von Pascal Kurz verdrängt, jener Keeper, der im Sommer an den Stimberg wechseln wird.

Aber das ist Zukunftsmusik. Entscheidend ist das Jetzt. Auch wenn Michael Strzys mit seinen Paraden den Löwen-Anteil am Sieg hatte, der Erkenschwicker Erfolg vor 2 300 Zuschauern hatte viele Väter. Von der Nummer 1 bis 14 wurde leidenschaftlich geackert und gekämpft und so ein Gegner bezwungen, der an diesem Abend auch das letzte Vertrauen der Fans verspielte.

Die Weichen auf Sieg stellte Martin Setzke, der nach einem Flankenwechsel von Althaus auf Warncke in der 47. Minute nicht lange fackelte und mitten in der beginnenden Münsteraner Drangphase aus 17 Metern abzog – lang, flach, hart und unhaltbar.

(Fast) unhaltbar waren auch die Möglichkeiten von Sowislo (39.), Antwerpen (80.) oder abermals Sowislo (83.), doch Strzys hielt mit Glück und Können. Und wenn nicht, standen Lasse Fischer-Riepe und Mirko Mustroph auf der Torlinie und klärten (34.) oder aber Thomas Falkowski, der ein erfolgreiches Comeback feierte, warf sich in die Flankenbälle, als hätte es seine schwere Kreuzbandverletzung und die einjährige Spielpause nie gegeben.

Als schließlich aus über 2 000 Kehlen „Wir sind Preußen und ihr nicht“ wie eine Wand auf die „Söldnertruppe“ (O-Ton der Münsteraner Fans) prasselte, „hat uns das natürlich auch noch einmal unheimlich motiviert. Solch eine Kulisse ist enorm, vor allem, wenn sie auch noch gegen den Gegner ist“, wie Strzys sagt. Am Ende klatschten sogar einige Preußen-Fans Beifall für eine Erkenschwicker Glanzleistung, die sogar noch deutlicher hätte gekrönt werden können. Alleine Sebastian Westerhoff vergab zwei glasklare Konter, während Marcel Althaus an Keeper Joswig scheiterte (62.), der im letzten Moment per Fußabwehr rettete, was zeigte: Die Schwarz-Roten versteckten sich nicht.

„Wenn es optimal für uns gelaufen wäre, hätten wir 3:0 gewonnen, aber egal“, sagt Co-Trainer Raimund Biester, der sich als Erster Michael Strzys schnappte und ihn auf seinen Schultern durchs Stadion trug. „Das war der Durchbruch“, schrie Biester vier-, fünfmal in die Nacht.

Eine Nacht, in der für Preußen-Trainer Georg Kreß das Kapitel Münster beendet war. Nach einer Krisensitzung warf der Coach die Brocken hin.

Das sollte die umjubelten Gäste genauso wenig stören wie die Rote Karte für Münsters Besten, Ansgar Brinkmann. Der lieferte sich mit Lasse Fischer-Riepe rassige Duelle an der Außenlinie, doch dem Ex-Profi gingen die Nerven durch, als er in der Schlussphase gegen den Erkenschwicker nachtrat (88.).

Den VfB Hüls, nächster Heimgegner der Preußen am 20. April, dürfte das schon eher interessieren. Und wie man in Münster besteht, können die Hülser ebenfalls am Stimberg erfahren. Alle Bilder des Spiels gibt es auf dieser Seite unter dem Link Bildergalerien.



Drei Luxus-Punkte
Setzkes Siegtreffer stürzt den Titelfavorit Preußen Münster im Kampf um den Titel ins Tal der Tränen. Trennung von Trainer Kreß. Überragender Strzys entschärft beste Chancen in Serie

FUSSBALL OBERLIGA

SC Preußen Münster - Spvgg. Erkenschwick 0:1

Münster. Drei nie eingeplante Luxus-Punkte für die Spvgg. Erkenschwick stürzten am Donnerstag vor 2 390 Zuschauer den Top-Favoriten ins Tal der Tränen und beendeten für diese Saison wohl endgültig alle noch vorsichtig gehegten Aufstiegsträume von Preußen Münster.

Und am Ende kochten die Emotionen über. Vor Freude bei den Erkenschwickern, die ausgelassen auf dem Rasen tanzten und sich anschließend von den zahlreich mitgereisten Anhängern feiern ließen, vor Ärger bei den Preußen-Fans. Die hatten schon weit vor dem Schlusspfiff ihrer Wut Luft gemacht mit "Aufhören"- und "Trainer raus"-Rufen. Es schien, als seien die Tage von Georg Kreß als Cheftrainer in Münster gezählt: Tatsächlich trennte sich der Club am Freitag von ihm. Manager Carsten Gockel und Co-Trainer Harald Menzel betreuen die Elf bis zum Saisonende.

Es war ein hart erkämpfter Arbeitssieg, mit dem die Schwarz-Roten zugleich auch ein Trauma endgültig ablegten: Denn Marco Antwerpen, obwohl noch einer der Besseren im Preußen-Team, kam dank konzentrierter Abwehrarbeit nicht zum Zuge - und damit musste auch zum ersten Mal überhaupt eine Mannschaft, in der der 36-jährige Routinier gegen die Stimberg-Elf spielte, am Ende eine Niederlage quittieren.

Ein Sieg, der trotz einer höchst engagierten Gesamtleistung der Mannschaft zwei Namen hat: Nämlich den des Torschützen Martin Setzke, der nach 47 Minuten auf Vorarbeit von Marcel Althaus und Dennis Warncke nicht lange fackelte und Preußen-Keeper Michael Joswig keine Chance ließ. Und den des überragenden Michael Strzys im Erkenschwicker Gehäuse. Der war mit Vater des Sieges, entschärfte unglaubliche Chancen der Gastgeber (34./60./83.) gleich serienweise und trieb Münsters Stürmer damit schier zur Verzweiflung.

Was indes nicht bedeutet, dass der Erkenschwicker Sieg ausschließlich glücklich war: Die erste Chance des Spiels hatten die Gäste nach 22 Minuten durch Martin Setzke. Und nach der Pause hätten Sebastian Westerhoff (68./90. + 1) und Marcel Althaus die Führung durchaus noch gut ausbauen können.

Trainer Manfred Wölpper feierte diesen ebenso unerwarteten wie im Abstiegskampf eminent wichtigen Erfolg nach dem ersten überschäumenden Jubel auf seine Weise und genoss - mutterseelenallein auf dem Platz stehend - die Ovationen aus der Erkenschwicker Fankurve. "Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen. Endlich durften wir auch mal wieder jubeln. Heute wurde ein gutes Spiel belohnt. Die Mannschaft hat mit sehr viel Leidenschaft gekämpft und jetzt ein paar freie Tage verdient."

Von Jürgen Seyb

SC Preußen Münster: Joswig; Caspers, Talarek, Siedschlag, Matlik, Mehnert (76. Gurzynski), Sowislo, Antwerpen, Brinkmann, Gibson, Kampf (65. Mayer)

Spvgg. Erkenschwick; Strzys; Fischer-Riepe, Eisen, Mustroph,Kasperidus, Althaus, Allali (84. Lemke), Grad (66. Falkowski), Warncke, Westerhoff, Setzke

Schiedsrichter: Jens Helmig (Mesum)

Zuschauer: 2390

Rote Karte: Brinkmann (88. wegen Nachtretens gegen Fischer-Riepe)

Tor: 0:1 (47.) Setzke



Hattrick: Michael Strzys
Nach dem Spiel präsentierte er seine linke Hand mit dick bandagiertem Zeigefinger: "Nichts Ernstes, das ist ja schon beim Aufwärmen passiert", spielte Spvgg. Erkenschwicks Schlussmann Michael Strzys die leichte Kapselverletzung herunter. Und hatte immer noch glänzende Augen – wegen des 1:0-Sieges gegen Preußen Münster und seiner sehr guten Leistung: "Das ist ja das Ziel eines jeden Spielers, vor solch einer Kulisse zu glänzen. Das war ein riesiges Erlebnis, gerade auch wegen der alten Rivalität zwischen Erkenschwick und Münster." Keine Frage, der eigentlich für die zweite Mannschaft verpflichtete 24-Jährige hat seine Chance genutzt: "Für mich war das jetzt einfach eine klasse Konstellation."



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