Presseberichte der Fussball Oberliga Westfalen vom 16.04.2007
Spvgg.-Orchester schwelgt vorzugsweise in Moll
Oer-Erkenschwick. - Manni Wölpper hatte es schon im Vorfeld befürchtet. Zehn Tage nach dem Sensationssieg von Münster hängt der Himmel in der Tat nicht mehr voller Geigen. Das schwarz-rote Orchester kam auf eigenem Platz gegen Oestrich-Iserlohn nicht über ein 0:0 hinaus.
Wölpper wusste sofort, woran es gehapert hatte: Sein Orchester spielte vor 350 Zuschauern in allzu verschiedenen Tonlagen. Die Abwehr beispielsweise bevorzugte die Lage Moll. Was nach Ansicht von Wölpper gar nicht nötig gewesen wäre: „Teilweise standen wir mit sieben Mann in der eigenen Hälfte gegen drei Oestricher. Das war vollkommen unnötig.“ Der Rest des Ensembles fand nur gegen Anfang und Ende der Darbietung die richtigen Akkorde, um zu dem einen oder anderen Crescendo anzusetzen. Ansonsten war vieles „piano“, selten etwas „forte“.
Das Spiel gegen Oestrich offenbarte allerdings auch, wie stark das Ensemble vom Stimberg von seinen Solisten abhängig ist, vor allem, was das Spiel nach vorne betrifft. Martin Setzke rackerte zwar unermüdlich und war selbst an jeder der wenigen echten Gelegenheiten beteiligt, doch jedes noch so kleine Aufbegehren erstickte sein Schatten Dominik Buchwald im Keim.
Dreimal hob Setzke dennoch zu einem Solo an, dreimal war sofort Gefahr in Verzug. In der achten Minute, als das Auditorium sogar noch frohgemut ein flottes Tempo vernahm, setzte Setzke einen „Dropkick“ um wenige Zentimeter am Pfosten vorbei. Noch knapper war’s in der 86. Minute, als das Aluminium für den bereits geschlagenen Keeper Braun rettete. Den finalen Torschrei auf den Lippen hatte die große Mehrheit der 350 aber vor allem in der 78. Minute, als Setzke mit einem Doppelpass Nils Eisen in Szene setzte. Doch der junge Innenverteidiger war sichtlich überrascht, mitten im Oestricher Strafraum an den Ball zu kommen und scheiterte an Braun – da fehlte die Abgeklärtheit, die ein 19-Jähriger aber kaum haben kann.
Aber es gibt ja noch andere Solisten. Und zumindest einen davon will sich Manni Wölpper in naher Zukunft vorknöpfen. Sebastian Westerhoff unterstrich nämlich auch in Oestrich seine aktuelle Schaffenskrise mit körperlicher, keinesfalls aber allzu kreativer Präsenz. Was „Wester“ in den letzten Wochen auch anpackt, es läuft nicht viel zusammen. „Er muss sich anders präsentieren, bei den Ansprüchen, die wir an ihn haben und er auch an sich selbst hat“, fand Wölpper ungewohnt deutliche Worte für Erkenschwicks mit Abstand besten Torjäger, und das, „obwohl das eigentlich nicht meine Art ist“. „Manni von Karajan“ kann es nun mal ganz und gar nicht gebrauchen, wenn einer zu diesem wichtigen Zeitpunkt der Saison aus der Reihe tanzt.
Es wäre nämlich viel drin gewesen gegen einen Aufsteiger, der die einfachen Akkorde bevorzugte, die jedoch aus dem Eff-eff beherrschte. Ein aufmerksamer Keeper, eine standfeste Deckung – das reichte gestern vollkommen aus. Wobei die Gäste sich noch nicht einmal versteckten. Vor allem im ersten Durchgang kam Oestrich mehrfach gefährlich vors Erkenschwicker Tor auf. Die Chancen wurden nach Wiederanpfiff zwar weniger, eine hochkarätige bot sich dann aber doch noch in der 64. Minute, als Christian Hensel frei zum Schuss kam, aber am gut reagierenden Daniel Kozakowski im Erkenschwicker Tor scheiterte.
Westerhoffs Torflaute
Spvgg. Erkenschwick - SF Oestrich-Iserlohn 0:0
Oer-Erkenschwick. Spvgg. Erkenschwicks Trainer Manfred Wölpper hält sich normalerweise sehr bedeckt, was öffentliche Kritik an einzelnen Spielern angeht. Nach der torlosen Punkteteilung gegen SF Oestrich-Iserlohn konnte er sich allerdings einen kleinen Seitenhieb gegen seinen Top-Torschützen Sebastian Westerhoff nicht verkneifen. Denn der lahmt schon seit einigen Spielen nicht nur in Sachen Torerfolg: "Er bringt im Moment nicht das, was wir von ihm erwarten!" Und damit fehlt auch der Erkenschwicker Offensivabteilung einiges von ihrer Torgefährlichkeit, was auch der unermüdlich rackernde Martin Setzke nicht ganz kompensieren kann.
Zumal dem gestern auch das nötige Quäntchen Glück fehlte. Zum Beispiel bei seinem Distanzschuss in der 8. Minute, ganz besonders aber in der 86. Minute, als er nur den Pfosten des Gäste-Tores traf. Und damit hatten die Schwarz-Roten auch ihre letzte Chance nicht genutzt, den Abstand zu den Abstiegsrängen nicht schrumpfen zu lassen. Und der beträgt jetzt nur noch zwei Zähler, weil RW Ahlen II gegen den FC Eintracht Rheine mit 1:0 gewann.
Doch nicht nur der Coach war enttäuscht, "weil wir uns natürlich viel mehr vorgenommen hatten". Auch die Fans blickten recht gequält: Zu frisch war noch die Erinnerung an die Top-Leistungen beim unverhofften Sieg in Münster. Denn viel zu wenig lief zusammen beim 0:0 in diesem so wichtigen Heimspiel gegen Oestrich, auch wenn sich speziell in der Schlussphase noch Chancen ergaben.
Die größte hatte der 19-jährige Innenverteidiger Nils Eisen nach 78 Minuten und einem durchaus sehenswerten Doppelpass mit Martin Setzke. Doch da fand er in Gäste-Schlussmann Andreas Braun seinen Meister – eben kein "gelernter" Stürmer, sondern ein Abwehrspieler. Da fehlte im richtigen Moment einfach noch auch die nötige Portion Abgezocktheit.
Für die viel zu seltenen Momente in Sachen Torgefährlichkeit war allerdings nicht nur Westerhoffs Formschwäche mit ausschlaggebend. Denn auch das fußballerische Moment wurde bei den Gastgebern weit unter den Möglichkeiten offeriert: "Eigentlich hatte ich ja gehofft, dass meine Mannschaft auf dem Kunstrasenplatz auch Fußball spielen würde. Aber wir haben speziell vor der Pause viel zu sehr nach hinten gedacht, da haben wir ja teilweise gleich mit sieben Mann auf einer Linie gegen drei Angreifer gestanden."
Was allerdings auch den Nutzeffekt hatte, dass die Schwarz-Roten zum dritten Mal in Serie zu Null spielten. Es gab nur wenige brenzlige Ansätze, und als es einmal richtig kritisch wurde, war Strzys-Vertreter Daniel Kozakowski gegen Christian Hensel voll auf dem Posten (64.).
Und zumindest das versöhnte den Erkenschwicker Coach dann doch wieder ein wenig, obwohl das 0:0 gegen den direkten Tabellennachbarn im Kampf gegen den Abstieg ja eigentlich wieder einmal zu wenig war, um sich der sicheren Seite einen weiteren Schritt nähern zu können.
Jürgen Seyb
Spvgg. Erkenschwick: Kozakowski Fischer-Riepe, Mustroph, Eisen, Kasperidus, Allali (78. Özdemir), Grad (35. Lemke), Warncke, Althaus (54. Vural), Westerhoff, Setzke
SF Oestrich-Iserlohn: Braun Buchwald, Jutlu, Dolezych, Daboviv (62. Tsotoulidis), Scheerer (78. Spielmann), Hensel, Juchum, Gökcek, Sarisoy (72. Tabanoglu), Firat
Oliver Ruhnert (Oestrich): Spielerisch war das natürlich keine Offenbarung. Aber uns ging es darum, kämpferisch zu überzeugen. Und das ist uns gelungen, denn wir haben nur wenige Chancen zugelassen.
Manfred Wölpper (Erkenschwick): Wir hatten uns natürlich viel mehr vorgenommen und ich hatte gehofft, dass meine Mannschaft auf Kunstrasen mehr Fußball spielen würde. Aber wir haben gerade in der ersten Halbzeit zu sehr nach hinten gedacht. Mm Schluss fehlte uns auch das nötige Quäntchen Glück. Immerhin haben wir in den letzten vier Spielen nur ein Gegentor zugelassen.
Keeper Braun und der Pfosten retten
Erkenschwick. Das war nicht Fisch und nicht Fleisch. Oestrich hätte in Erkenschwick mit etwas Glück gewinnen, mit etwas Pech aber auch verlieren können. Am Ende verhinderte das torlose Unentschieden den Sturz auf einen Abstiegsplatz, aber die Luft im Kampf um den Klassenerhalt wird immer dünner.
Fussball-Oberliga: SpVgg Erkenschwick - SF Oestrich-Iserlohn 0:0.
Weil die Stadt die Rasenplätze gedüngt hatte, fand die Partie nicht wie erwartet im Stimberg-Stadion statt, sondern auf dem Kunstrasengeläuf nebenan. Für Oestrich sicher kein Vorteil, denn der eigene Platz ist von ganz anderer Machart.
Den besseren Start erwischten allemal die Hausherren. Gleich die ersten beiden Angriffe sorgten für Gefahr durch Westerhoff (2.) und Warncke (3.). Die frühe gelbe Karte für Manndecker Gökcek (4.) und eine weitere Erkenschwicker Chance durch Setzke (8.) verdeutlichten, wer zu Beginn das Sagen hatte. Die Spielvereinigung schaltete bei Oestricher Ballverlusten im Mittelfeld schnell um und spielte steil nach vorne, das stürzte die SFO-Abwehr wiederholt in Verlegenheit.
Es war Kapitän Dolezych, der vormachte, wie man sich energischer dagegen zu stemmen hatte. Zwar missrieten seine beiden Schussversuche (14., 16.), aber sie zeigten auf, dass Oestrich jetzt früher und effektiver störte und besser in die Zweikämpfe kam. Prompt ergaben sich die ersten echten Möglichkeiten. Scheerers Pass nach innen wurde gerade noch vor dem dahinter lauernden Sarisoy abgefangen (20.), und Hensels Flugkopfballeinlage nach Flanke von Dabovic war zumindest schön anzusehen (22.). Das gleiche galt für einen tollen Angriff, von Buchwald eingeleitet und von Firat abgeschlossen (26.). Oestrich wurde in dieser Phase immer besser, und Erkenschwick hatte Mühe, die Gäste zu kontrollieren.
Die Halbzeitpause schien für beide Teams bei hochsommerlichen Temperaturen zu kurz gewesen zu sein. Schon früh stellte sich beim Beobachter das Gefühl ein, einem typischen 0:0-Spiel beizuwohnen. Nichts tat sich vor den Toren - bis zur 64. Minute! Dann startete Hensel zu einem tollen Sololauf, dem nur der krönende Abschluss versagt blieb. Keeper Kozakowski verhinderte per Fußabwehr das drohende 0:1. Wäre hier die Oestricher Führung gefallen, wer weiß, wie sich die Partie entwickelt hätte . . .
Mit Tsotoulidis für Dabovic und Tabanoglu für den überaus agilen Sarisoy (hier hätte sich vielleicht eher der an diesem Tag blass bleibende, weil nicht durchsetzungsfähige Firat angeboten) wechselte SF-Trainer Ruhnert frische Kräfte ein. Der Schuss wäre allerdings fast nach hinten losgegangen. Keeper Braun verdiente sich ein dickes Lob, als er gegen den frei vor ihm auftauchenden Eisen die Ruhe behielt und als Retter in höchster Not das 1:0 verhinderte (78.). Im direkten Gegenzug wurde der durchgestartete Scheerer im letzten Moment abgedrängt - Oestrichs Fans forderten Elfmeter, aber es war wohl richtig, dass Schiedsrichter Zink auf die Proteste nicht reagierte.
Am Ende war das Unentschieden aus Sicht der Sportfreunde vielleicht sogar ein wenig glücklich, denn als dem ansonsten von Buchwald gut bewachten Setzke einmal zu viel Raum gelassen wurde, nutzte er diesen sofort zu einem gefährlichen Schuss. Braun machte sich lang und länger, aber es war der Pfosten, der die Oestricher vor einen bitteren Niederlage bewahrte (85.).
Von Ullrich May
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Oer-Erkenschwick. - Manni Wölpper hatte es schon im Vorfeld befürchtet. Zehn Tage nach dem Sensationssieg von Münster hängt der Himmel in der Tat nicht mehr voller Geigen. Das schwarz-rote Orchester kam auf eigenem Platz gegen Oestrich-Iserlohn nicht über ein 0:0 hinaus.
Wölpper wusste sofort, woran es gehapert hatte: Sein Orchester spielte vor 350 Zuschauern in allzu verschiedenen Tonlagen. Die Abwehr beispielsweise bevorzugte die Lage Moll. Was nach Ansicht von Wölpper gar nicht nötig gewesen wäre: „Teilweise standen wir mit sieben Mann in der eigenen Hälfte gegen drei Oestricher. Das war vollkommen unnötig.“ Der Rest des Ensembles fand nur gegen Anfang und Ende der Darbietung die richtigen Akkorde, um zu dem einen oder anderen Crescendo anzusetzen. Ansonsten war vieles „piano“, selten etwas „forte“.
Das Spiel gegen Oestrich offenbarte allerdings auch, wie stark das Ensemble vom Stimberg von seinen Solisten abhängig ist, vor allem, was das Spiel nach vorne betrifft. Martin Setzke rackerte zwar unermüdlich und war selbst an jeder der wenigen echten Gelegenheiten beteiligt, doch jedes noch so kleine Aufbegehren erstickte sein Schatten Dominik Buchwald im Keim.
Dreimal hob Setzke dennoch zu einem Solo an, dreimal war sofort Gefahr in Verzug. In der achten Minute, als das Auditorium sogar noch frohgemut ein flottes Tempo vernahm, setzte Setzke einen „Dropkick“ um wenige Zentimeter am Pfosten vorbei. Noch knapper war’s in der 86. Minute, als das Aluminium für den bereits geschlagenen Keeper Braun rettete. Den finalen Torschrei auf den Lippen hatte die große Mehrheit der 350 aber vor allem in der 78. Minute, als Setzke mit einem Doppelpass Nils Eisen in Szene setzte. Doch der junge Innenverteidiger war sichtlich überrascht, mitten im Oestricher Strafraum an den Ball zu kommen und scheiterte an Braun – da fehlte die Abgeklärtheit, die ein 19-Jähriger aber kaum haben kann.
Aber es gibt ja noch andere Solisten. Und zumindest einen davon will sich Manni Wölpper in naher Zukunft vorknöpfen. Sebastian Westerhoff unterstrich nämlich auch in Oestrich seine aktuelle Schaffenskrise mit körperlicher, keinesfalls aber allzu kreativer Präsenz. Was „Wester“ in den letzten Wochen auch anpackt, es läuft nicht viel zusammen. „Er muss sich anders präsentieren, bei den Ansprüchen, die wir an ihn haben und er auch an sich selbst hat“, fand Wölpper ungewohnt deutliche Worte für Erkenschwicks mit Abstand besten Torjäger, und das, „obwohl das eigentlich nicht meine Art ist“. „Manni von Karajan“ kann es nun mal ganz und gar nicht gebrauchen, wenn einer zu diesem wichtigen Zeitpunkt der Saison aus der Reihe tanzt.
Es wäre nämlich viel drin gewesen gegen einen Aufsteiger, der die einfachen Akkorde bevorzugte, die jedoch aus dem Eff-eff beherrschte. Ein aufmerksamer Keeper, eine standfeste Deckung – das reichte gestern vollkommen aus. Wobei die Gäste sich noch nicht einmal versteckten. Vor allem im ersten Durchgang kam Oestrich mehrfach gefährlich vors Erkenschwicker Tor auf. Die Chancen wurden nach Wiederanpfiff zwar weniger, eine hochkarätige bot sich dann aber doch noch in der 64. Minute, als Christian Hensel frei zum Schuss kam, aber am gut reagierenden Daniel Kozakowski im Erkenschwicker Tor scheiterte.
Westerhoffs Torflaute
Spvgg. Erkenschwick - SF Oestrich-Iserlohn 0:0
Oer-Erkenschwick. Spvgg. Erkenschwicks Trainer Manfred Wölpper hält sich normalerweise sehr bedeckt, was öffentliche Kritik an einzelnen Spielern angeht. Nach der torlosen Punkteteilung gegen SF Oestrich-Iserlohn konnte er sich allerdings einen kleinen Seitenhieb gegen seinen Top-Torschützen Sebastian Westerhoff nicht verkneifen. Denn der lahmt schon seit einigen Spielen nicht nur in Sachen Torerfolg: "Er bringt im Moment nicht das, was wir von ihm erwarten!" Und damit fehlt auch der Erkenschwicker Offensivabteilung einiges von ihrer Torgefährlichkeit, was auch der unermüdlich rackernde Martin Setzke nicht ganz kompensieren kann.
Zumal dem gestern auch das nötige Quäntchen Glück fehlte. Zum Beispiel bei seinem Distanzschuss in der 8. Minute, ganz besonders aber in der 86. Minute, als er nur den Pfosten des Gäste-Tores traf. Und damit hatten die Schwarz-Roten auch ihre letzte Chance nicht genutzt, den Abstand zu den Abstiegsrängen nicht schrumpfen zu lassen. Und der beträgt jetzt nur noch zwei Zähler, weil RW Ahlen II gegen den FC Eintracht Rheine mit 1:0 gewann.
Doch nicht nur der Coach war enttäuscht, "weil wir uns natürlich viel mehr vorgenommen hatten". Auch die Fans blickten recht gequält: Zu frisch war noch die Erinnerung an die Top-Leistungen beim unverhofften Sieg in Münster. Denn viel zu wenig lief zusammen beim 0:0 in diesem so wichtigen Heimspiel gegen Oestrich, auch wenn sich speziell in der Schlussphase noch Chancen ergaben.
Die größte hatte der 19-jährige Innenverteidiger Nils Eisen nach 78 Minuten und einem durchaus sehenswerten Doppelpass mit Martin Setzke. Doch da fand er in Gäste-Schlussmann Andreas Braun seinen Meister – eben kein "gelernter" Stürmer, sondern ein Abwehrspieler. Da fehlte im richtigen Moment einfach noch auch die nötige Portion Abgezocktheit.
Für die viel zu seltenen Momente in Sachen Torgefährlichkeit war allerdings nicht nur Westerhoffs Formschwäche mit ausschlaggebend. Denn auch das fußballerische Moment wurde bei den Gastgebern weit unter den Möglichkeiten offeriert: "Eigentlich hatte ich ja gehofft, dass meine Mannschaft auf dem Kunstrasenplatz auch Fußball spielen würde. Aber wir haben speziell vor der Pause viel zu sehr nach hinten gedacht, da haben wir ja teilweise gleich mit sieben Mann auf einer Linie gegen drei Angreifer gestanden."
Was allerdings auch den Nutzeffekt hatte, dass die Schwarz-Roten zum dritten Mal in Serie zu Null spielten. Es gab nur wenige brenzlige Ansätze, und als es einmal richtig kritisch wurde, war Strzys-Vertreter Daniel Kozakowski gegen Christian Hensel voll auf dem Posten (64.).
Und zumindest das versöhnte den Erkenschwicker Coach dann doch wieder ein wenig, obwohl das 0:0 gegen den direkten Tabellennachbarn im Kampf gegen den Abstieg ja eigentlich wieder einmal zu wenig war, um sich der sicheren Seite einen weiteren Schritt nähern zu können.
Jürgen Seyb
Spvgg. Erkenschwick: Kozakowski Fischer-Riepe, Mustroph, Eisen, Kasperidus, Allali (78. Özdemir), Grad (35. Lemke), Warncke, Althaus (54. Vural), Westerhoff, Setzke
SF Oestrich-Iserlohn: Braun Buchwald, Jutlu, Dolezych, Daboviv (62. Tsotoulidis), Scheerer (78. Spielmann), Hensel, Juchum, Gökcek, Sarisoy (72. Tabanoglu), Firat
Oliver Ruhnert (Oestrich): Spielerisch war das natürlich keine Offenbarung. Aber uns ging es darum, kämpferisch zu überzeugen. Und das ist uns gelungen, denn wir haben nur wenige Chancen zugelassen.
Manfred Wölpper (Erkenschwick): Wir hatten uns natürlich viel mehr vorgenommen und ich hatte gehofft, dass meine Mannschaft auf Kunstrasen mehr Fußball spielen würde. Aber wir haben gerade in der ersten Halbzeit zu sehr nach hinten gedacht. Mm Schluss fehlte uns auch das nötige Quäntchen Glück. Immerhin haben wir in den letzten vier Spielen nur ein Gegentor zugelassen.
Keeper Braun und der Pfosten retten
Erkenschwick. Das war nicht Fisch und nicht Fleisch. Oestrich hätte in Erkenschwick mit etwas Glück gewinnen, mit etwas Pech aber auch verlieren können. Am Ende verhinderte das torlose Unentschieden den Sturz auf einen Abstiegsplatz, aber die Luft im Kampf um den Klassenerhalt wird immer dünner.
Fussball-Oberliga: SpVgg Erkenschwick - SF Oestrich-Iserlohn 0:0.
Weil die Stadt die Rasenplätze gedüngt hatte, fand die Partie nicht wie erwartet im Stimberg-Stadion statt, sondern auf dem Kunstrasengeläuf nebenan. Für Oestrich sicher kein Vorteil, denn der eigene Platz ist von ganz anderer Machart.
Den besseren Start erwischten allemal die Hausherren. Gleich die ersten beiden Angriffe sorgten für Gefahr durch Westerhoff (2.) und Warncke (3.). Die frühe gelbe Karte für Manndecker Gökcek (4.) und eine weitere Erkenschwicker Chance durch Setzke (8.) verdeutlichten, wer zu Beginn das Sagen hatte. Die Spielvereinigung schaltete bei Oestricher Ballverlusten im Mittelfeld schnell um und spielte steil nach vorne, das stürzte die SFO-Abwehr wiederholt in Verlegenheit.
Es war Kapitän Dolezych, der vormachte, wie man sich energischer dagegen zu stemmen hatte. Zwar missrieten seine beiden Schussversuche (14., 16.), aber sie zeigten auf, dass Oestrich jetzt früher und effektiver störte und besser in die Zweikämpfe kam. Prompt ergaben sich die ersten echten Möglichkeiten. Scheerers Pass nach innen wurde gerade noch vor dem dahinter lauernden Sarisoy abgefangen (20.), und Hensels Flugkopfballeinlage nach Flanke von Dabovic war zumindest schön anzusehen (22.). Das gleiche galt für einen tollen Angriff, von Buchwald eingeleitet und von Firat abgeschlossen (26.). Oestrich wurde in dieser Phase immer besser, und Erkenschwick hatte Mühe, die Gäste zu kontrollieren.
Die Halbzeitpause schien für beide Teams bei hochsommerlichen Temperaturen zu kurz gewesen zu sein. Schon früh stellte sich beim Beobachter das Gefühl ein, einem typischen 0:0-Spiel beizuwohnen. Nichts tat sich vor den Toren - bis zur 64. Minute! Dann startete Hensel zu einem tollen Sololauf, dem nur der krönende Abschluss versagt blieb. Keeper Kozakowski verhinderte per Fußabwehr das drohende 0:1. Wäre hier die Oestricher Führung gefallen, wer weiß, wie sich die Partie entwickelt hätte . . .
Mit Tsotoulidis für Dabovic und Tabanoglu für den überaus agilen Sarisoy (hier hätte sich vielleicht eher der an diesem Tag blass bleibende, weil nicht durchsetzungsfähige Firat angeboten) wechselte SF-Trainer Ruhnert frische Kräfte ein. Der Schuss wäre allerdings fast nach hinten losgegangen. Keeper Braun verdiente sich ein dickes Lob, als er gegen den frei vor ihm auftauchenden Eisen die Ruhe behielt und als Retter in höchster Not das 1:0 verhinderte (78.). Im direkten Gegenzug wurde der durchgestartete Scheerer im letzten Moment abgedrängt - Oestrichs Fans forderten Elfmeter, aber es war wohl richtig, dass Schiedsrichter Zink auf die Proteste nicht reagierte.
Am Ende war das Unentschieden aus Sicht der Sportfreunde vielleicht sogar ein wenig glücklich, denn als dem ansonsten von Buchwald gut bewachten Setzke einmal zu viel Raum gelassen wurde, nutzte er diesen sofort zu einem gefährlichen Schuss. Braun machte sich lang und länger, aber es war der Pfosten, der die Oestricher vor einen bitteren Niederlage bewahrte (85.).
Von Ullrich May
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