Presseberichte der Fussball Oberliga Westfalen vom 20.04.2007

Darmstädter baut auf Täuber und will ein Jahr dranhängen
Marl/Münster. - Es ist nicht nur Zweckoptimismus, der Horst Darmstädter in diesen Wochen antreibt. „Ich glaube fest daran, dass wir den Klassenerhalt noch packen werden“, sagt der Hülser Fußball-Boss vor dem schweren Auswärtsspiel des Oberligisten am Freitag in Münster.

„Ich weiß, es wird schwer genug. Aber ich hoffe, dass wir wie im Hinspiel einen Punkt holen“, gibt sich „HD“ kämpferisch wie eh und je.

Das war nicht immer so. Vor allem in der laufenden Spielzeit habe es viele Situationen gegeben, „wo nicht nur ich am liebsten die Brocken hingeschmissen hätte“. Erst am letzten Donnerstag, mit der Pokalblamage bei GW Erkenschwick im Gepäck und dem Arbeitsgerichtsverfahren gegen Ingo Anderbrügge vor Augen, „prasselte alles Erdenkliche auf mich ein“. Doch Darmstädter gilt als Kämpfer in jeder Beziehung. Im Herbst wird der Marler zwar runde 70 Jahre alt, doch das ist für den Abteilungsvorsitzenden kein Grund, abzutreten – obwohl er das längst geplant hatte: „Ich hatte eigentlich vorgehabt, mich 2008 nicht mehr zur Wahl zu stellen. Irgendwann muss Schluss sein. Jetzt aber, wo es noch solch einen Berg an Arbeit gibt, würde ich noch ein Jahr dranhängen.“

Zum einen, weil im Umfeld des Badeweiher-Stadions weit und breit niemand in Sicht ist, der in die Fußstapfen Darmstädters treten könnte. Zum anderen, weil mit Horst Darmstädter gleich eine Vielzahl an Vorstandsmitgliedern, unter anderem der Technische Leiter Dieter Most, ebenfalls wohl ihren Hut nehmen würden. Die große Zäsur am Badeweiher – sie scheint zumindest aufgeschoben. Führerlos darf das Schiff nicht stranden, deshalb „würde ich mich bereit erklären, 2008 nochmals anzutreten. Aber nur für ein Jahr, in dem ich meinen Nachfolger einarbeiten würde“. Mit dann 72 Jahren müsse aber Schluss sein, und zwar endgültig.

Dass 2008 gleichzeitig das erste Jahr sein könnte, das der VfB mit seiner ersten Mannschaft nach 13-jähriger Dauerzugehörigkeit zur höchsten westfälischen Spielklasse „nur“ in der Verbandsliga bestreiten könnte, kann und will aber auch Horst Darmstädter nicht ganz von der Hand weisen. „Inoffiziell“ muss „HD“ die Planungen aufnehmen. „Wenn es wirklich so kommen sollte, dann sind wir aber so gut aufgestellt, dass wir sofort wieder angreifen würden“, versichert der Marler.

Trainer Klaus Täuber besitze ohnehin einen für beide Ligen gültigen Vertrag bis zum 30. Juni 2008, zudem haben auch fast alle Spielerverträge für die kommende Spielzeit für Ober- und Verbandsliga Gültigkeit.

Keeper Tobias Rantzow sei sogar bis 2009 an den VfB gebunden, „inklusive einer Option für den Verein“. Und mit Andreas Kluy, dessen Kontrakt am 30. Juni 2007 ausläuft, sei man bereits einig. „Sicher würden wir uns von einigen Spielern trennen, aber das Gerüst würde bestehen bleiben. Dazu würden nur drei, vier erfahrene Leute kommen und wir hätten wieder eine gute Truppe zusammen“, sagt Darmstädter, der auch sagt: „Die Jungs sind ja alle in Ordnung, doch es fehlt dem einen oder anderen auf dem Platz an Führung. Aber im nächsten Jahr sind auch die Jüngeren wieder ein Jahr weiter und erfahrener.“

Anfragen jedenfalls gebe es selbst jetzt, wo der sportliche Verbleib des VfB noch völlig in der Luft hänge, mehr als genug. „Wir sind noch immer ein gute Adresse“, sagt der Funktionär, der sich in dieser Angelegenheit voll und ganz auf seinen Trainer verlässt, denn „er hat beste Kontakte“.

„Ich kann es nicht begründen, aber Klaus Täuber hat eine Art und ein Auftreten, von dem ich überzeugt bin, dass wir es in der Oberliga schaffen werden. Ich weiß, dass es realistisch gesehen sieben Punkte sind, die wir aufholen müssen, aber mit ihm können wir das“, sagt Horst Darmstädter

Attribute, die er Täubers Vorgänger im Amt nicht unbedingt zuschreibt. Zu tief sitzt bei Darmstädter „die menschliche Enttäuschung“, vor allem, da die Trennung von Ex-Profi Anderbrügge letztlich erst nach schwierigen Vehandlungen vor dem Arbeitsgericht ein (vorläufiges) Ende fand.

Zumal der 69-Jährige felsenfest überzeugt ist: Hätte der VfB eher den Mut gehabt, sich von Anderbrügge zu trennen, der VfB hätte heute mehr Punkte auf seinem Konto. Die Chance dazu, nach der mittlerweile legendären Pressekonferenz im Anschluss an das Schalke-Spiel am 12. 11. (0:5 aus Sicht des VfB), habe man leider vertan. „Die Spieler haben mich damals überzeugt“, sagt Darmstädter, „aber es war ein Fehler.“ Die Lage vor dem Spiel (Freitag, 19 Uhr, Preußen-Stadion an der Hammer Straße): VfB-Coach Klaus Täuber rechnet, dass sein Team aus den verbleibenden acht Spielen 13 Punkte holen muss, um die Klasse zu erhalten. „In Münster nach Möglichkeit punkten und Selbstvertrauen holen, und dann die zwei kommenden Heimspiele gewinnen“, lautet Täubers Marschroute.

Der Ex-Profi weiß sehr wohl, dass auch die Gastgeber unter einem großen Erfolgsdruck stehen. „Die Münsteraner Fans werden gerade gegen den Tabellenletzten einiges erwarten, zudem wollen sicher auch einige Spieler für die neue Saison vorspielen“, erwartet Täuber eine hoch motivierte Preußen-Elf.

Was der 49-Jährige als Voraussetzung für eine Überraschung ansieht, ist: „Wir müssen endlich mal in Führung gehen, das würde uns vieles erleichtern. In Emsdetten und Lotte mussten wir beides Mal sehr viel investieren, um einen Rückstand noch aufzuholen.“ Dennoch habe er grundsätzlich den Eindruck, „dass wir uns auswärts derzeit etwas leichter tun“, was ihn für heute zuversichtlicher stimmt.

Personell hat sich die Lage etwas entspannt. Matthias Krantz, der heute 28 Jahre alt wird, steht zur Verfügung wie auch Andreas Beckmann, der für Täuber eine Option für die Startformation ist, auch wenn „Becki“ seiner Einschätzung nach noch nicht die Kraft für volle 90 Minuten haben dürfte. Ausfallen werden Mario Paust (Adduktorenverletzung), Tino Westphal (Probleme mit der Lunge) sowie Carsten Sichler, der sich bei einem Autounfall ein Schleudertrauma zugezogen hat.



Da geht noch was
Die Moral des VfB Hüls ist ungebrochen. Der Tabellenletzte tritt "ein bisschen optimistisch" in Münster an. Die Preußen haben einiges gut zu machen

FUSSBALL OBERLIGA WESTFALEN

Marl. Es ist längst nicht mehr die Zeit, zu fragen, wie der Gegner heißt, wo er steht und ob er einem liegt. Fußball-Oberligist VfB Hüls muss Spiele gewinnen. Je mehr, desto besser. Eigentlich auch heute Abend. Dass der Tabellenletzte der Fußball-Oberliga Westfalen beim SC Preußen Münster antritt, tut dabei fast nichts zur Sache. Auch dort, beim desillusionierten und gescheiterten Ex-Regionalligisten muss mehr herausspringen als gute B-Noten für Bemühen, optischen Eindruck oder kämpferisch vorbildlichen Einsatz. Ein Sieg muss her.

Sechs Punkte beträgt der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz, nachdem der bisherige Viertletzte SF Oestrich-Iserlohn sein Nachholspiel in Wattenscheid gewann. Sechs Punkte Rückstand bei acht ausstehenden Spielen. Da ginge noch etwas. Klaus Täuber pocht jedenfalls darauf, dass seine Mannschaft es immer noch in der Hand hat, den Abstieg abzuwenden. Die Moral stimmt jedenfalls beim VfB; ablesbar auch an der Aufholjagd am Sonntag in Lotte, als er nach einem 0:2-Rückstand immerhin einen Punkt holte.

Auch deshalb ist Täuber selbst vor Münster nicht bange: "Ein bisschen optimistisch bin ich schon, zumal wir nichts zu verlieren haben. Wir müssen nur aufpassen, nicht gleich wieder in Rückstand zu geraten. Eine Chance haben wir dann, wenn das Team tadellos funktioniert und jeder seine beste Leistung abrufen kann." Im Hinspiel gelang das tadellos. 90 Minuten aufopferungsvoller Kampf am Badeweiher wurde immerhin mit einem 0:0 belohnt. Die große Preußen-Schar rückte enttäuscht ab.

Unerfahrenheit und individuelle Fehler kosteten den VfB in der Vergangenheit nicht selten den einen oder anderen Punkt. Dass Kapitän Matthias Krantz und seit der zweiten Hälfte von Lotte auch Andreas Beckmann wieder mit dabei sind, könnte da Abhilfe schaffen. Klaus Täuber setzt von Beginn an auf die Routinie und Robustheit des früheren Spielführers. "Jeder hat in Lotte gesehen, wie wichtig Andreas Beckmann ist. Man muss allerdings sehen, ob seine Kraft schon für 90 Minuten reicht."

Mit einem darf er nicht rechnen. Unterschätzen wird Münster, das als Sechster mit zwölf Punkten Rückstand auf Spitzenreiter SC Verl seine Aufstiegsambitionen verspielt hat, die Hülser bestimmt nicht. Gerade das 0:1 gegen Erkenschwick war ein Schock für Spieler, Club und Fans. "Und noch einmal möchten sie so etwas bestimmt nicht erleben", sagt Klaus Täuber. Münster wird einiges daran setzen, um sich für die zahlreichen Patzer zu rehabilitieren.

Von Andreas Rorowski



Täuber: "Wir haben es noch selbst in der Hand"
Der VfB Hüls, am Freitag (19.00 Uhr) zu Gast im Preußen-Stadion, ist der einzige Verein, der seit der Abstufung der Oberliga Westfalen zur 4. Liga ab der Saison 1994/1995 ununterbrochen in dieser Klasse dabei ist. Der Verein aus Marl ist vor allem deshalb auch Erster in der "ewigen" Oberliga-Tabelle. Doch in der aktuellen Spielzeit konnte die Mannschaft vom Badeweiher diesen Spitzenplatz nicht bestätigen. Im Gegenteil: Dem VfB droht nach zwölf Jahren ununterbrochener Liga-Zugehörigkeit der Abstieg in die Verbandsliga. Vor der Partie in Münster rangiert die Mannschaft von VfB-Trainer Klaus Täuber auf dem letzten Tabellenplatz

Zu Saisonbeginn hatte noch Ex-Profi Ingo Anderbrügge, ebenso wie Täuber ein früherer Schalker Bundesliga-Profi, an der Seitenlinie des VfB gestanden. Der einstige "Eurofighter", der 1997 mit Schalke den UEFA-Pokal gewann, war zur Rückrunde der letzten Saison an den Badeweiher gewechselt und hatte den VfB zum Klassenerhalt geführt. Der Start in die Saison 2006/2007 ließ darauf hoffen, dass man in Marl nicht erneut um den Liga-Verbleib zittern müsste. Aufsteiger Sportfreunde Oestrich-Iserlohn wurde klar 3:0 besiegt. Auf den zweiten Saison-Sieg musste die Anderbrügge-Elf dann allerdings lange warten. Genau 13 Spiele lang dauerte die Negativ-Serie des VfB Hüls. Von 39 möglichen holten die Marler gerade mal drei Punkte. Sieben Mal in Folge verließ man das Feld als Verlierer. Erst ein 1:0-Erfolg gegen den FC Gütersloh 2000 beendete die Niederlagen-Serie.

Zum Ende der Hinrunde belegte der VfB Hüls mit zwölf Punkten den vorletzten Tabellenrang. Ingo Anderbrügge, der schon zuvor Verstärkungen gefordert hatte, bekam neue Spieler, unter anderem den erfahrenen Ex-Schalker Miguel Pereira und Seyfullah Kalayci, der mittlerweile zum dritten Mal für den VfB spielt. In der Winterpause der letzten Spielzeit war Kalayci zunächst zum Landesligisten YEG Hassel gewechselt, wo die ihm gemachten (finanziellen) Versprechungen nicht eingehalten wurden. Also ging Kalayci zurück nach Marl, wo er trotz der Pause mit 25 Saisontreffern Torschützenkönig der Oberliga Westfalen wurde. Im letzten Sommer zog es Kalayci dann zum Verbandsligisten Germania Gladbeck. Der Kontakt zu VfB-"Boss" Horst Darmstädter riss jedoch nie ab und so kehrte der Angreifer abermals zum VfB zurück. Seine Tore sollen der Badeweiher-Elf helfen. Immerhin vier Mal hat er in der Rückserie bisher getroffen.

Voller Hoffnung war der VfB im Schatten des Chemieparks in Marl in die Rückrunde gestartet. Doch gleich im ersten Spiel gab es einen herben Dämpfer. Die Sportfreunde Oestrich-Iserlohn revanchierten sich für die Hinspiel-Pleite und gewannen in Hüls 4:1. Nach einer Krisensitzung wurde Trainer Ingo Anderbrügge von seinen Aufgaben entbunden. Das Kapitel Anderbrügge wurde erst in dieser Woche abgeschlossen. Vor dem Arbeitsgericht entschied der Richter, dass der VfB seinem Ex-Trainer 3.000 Euro zahlen müsse. Sollte keine der Parteien Berufung einlegen, ist das Urteil rechtskräftig. Ein Nachfolger für Anderbrügge war schnell gefunden. Klaus Täuber soll den VfB vor dem Abstieg bewahren.

Doch auch der als "harter Hund" bekannte Täuber schaffte es noch nicht, den VfB aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Der "Boxer" holte aus acht Partien acht Punkte. Doch die reichten nicht, um die "Rote Laterne" abzugeben. "In den nächsten Spielen muss etwas passieren", fordert Täuber - und betont: "Wir haben es nach wie vor selbst in der Hand. Wenn wir in Münster oder in Lotte einen Sieg landen, steigen unsere Chancen erheblich. Dann können wir in den Heimspielen gegen Delbrück und Rheine nachlegen." Besonders die erfahrenen Akteure wie Torhüter Tobias Rantzow, Marcel Olschewski und Miguel Pereira nimmt Täuber in die Pflicht: "Sie müssen die anderen mitreißen."

Die Zukunft der meisten Spieler des VfB ist bereits jetzt schon erklärt. Nur zwei Spieler haben keinen Vertrag für die kommende Saison. Alle anderen besitzen Kontrakte, die auch in der Verbandsliga Gültigkeit hätten. Allerdings werden einige Akteure umworben. So zum Beispiel Rantzow, den Horst Darmstädter einmal zum "besten Oberliga-Torhüter" erklärt hat. An ihm ist ausgerechnet Täubers Ex-Verein ETB Schwarz-Weiß Essen interessiert. "Tobi ist so sehr mit dem VfB verwurzelt, dass ich mir einen Wechsel nicht vorstellen kann", so Täuber. Auch was seine übrigen Spieler angeht, ist der Trainer optimistisch: "Meine Mannschaft besitzt Charakter. Das hat sie oft genug bewiesen. Ich bin mir sicher, dass der Kader am Saisonende nicht auseinander brechen wird."



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