Presseberichte der Fussball Oberliga Westfalen vom 24.04.2007

Ligenreform sorgt für Unbehagen
Einführung der 3. Profi-Liga und Neuordnung der Amateurligen drängt

Recklinghausen. Alles neu macht diesmal nicht der Mai, sondern die Saison 2008/09 für die Amateurfußballer in Deutschland. Dementsprechend werden sich auch die Aktiven im Fußballkreis Recklinghausen umstellen und auf eine Verschlankung der überkreislichen Ligen einstellen müssen. Im Gespräch sind aktuell drei Regionalligen bundesweit unter der 3. Profi-Liga und eine Abschaffung der Oberliga-Westfalen.

Stattdessen könnte es eine NRW-Liga geben, die aus den bisherigen Oberligen Westfalen und Nordrhein zusammengefasst wird. Zudem, und dadurch wird diese Reform für einen Großteil der Clubs interessant, soll die Anzahl der Verbands- der Landes- und der Bezirksligen in Westfalen verringert werden. So könnte es nur noch eine Verbandsliga geben, aus fünf Landesliga-Staffeln würden nur drei gemacht und aus 15 Bezirksligen würden nur 12. Und wohin mit den übrigen Mannschaften? Wahrscheinlich in die Kreisligen. Die würden genau wie die überkreislichen Staffeln schon in der kommenden Spielzeit 2007/08 mit einem vermehrten Abstieg rechnen müssen. Damit Platz entsteht für die diversen Teams, die aus den dann nicht mehr vorhandenen Verbands-, Landes und Bezirksligen absteigen und irgendwo untergebracht werden müssen.



An der Oberliga NRW führt wohl kein Weg vorbei
Kaiserau/Kreis. - Die Oberliga NRW wird kommen, und zwar früher, als so manch einer zu träumen wagt. Dies ist der Eindruck, den die Vertreter der heimischen Oberligisten sowie der aufstiegsambitionierten Verbandsligisten beim Zusammentreffen in Kaiserau erhalten haben.

Nicht nur Achim Trautmann, Vorsitzender der Spvgg. Erkenschwick, wurde nach der knapp zweieinhalbstündigen Sitzung den Eindruck nicht los, von der Verbandsspitze vor längst vollendete Tatsachen gestellt worden zu sein. „Es wurde vom Verbandspräsidenten Herrn Korfmacher sehr massiv in die Richtung Oberliga NRW hin argumentiert“, so Trautmann.

Und offenbar schon vorgearbeitet. So sickerte bereits durch, dass für die Qualifikation zur Oberliga NRW alleine das kommende Spieljahr gelten soll und es keinen Qualifikationszeitraum geben wird. „Das dürfte damit eine mehr als spannende Saison werden“, schwant Trautmann.

Obwohl keine konkreten Zahlen genannt wurden, heißt das: Die ersten vier Oberligisten – und das ist bereits sicher – gehen am Saisonende den direkten Weg in die neue viertklassige Regionalliga. Die Plätze fünf bis X werden sich für die fünftklassige Oberliga NRW qualifizieren, die aus den Staffeln Westfalen und Nordrhein gebildet wird. Der Rest wird in der Verbandsliga aufgefangen.

Die Folge: Der Oberliga-13. der nächsten Saison beispielsweise könnte mit einem Schlag von der Viert- in die Sechstklassigkeit fallen. Dass ein derart verstärkter Abstieg auch Auswirkungen auf alle folgenden Ligen haben wird, ist ebenfalls absehbar.

An der Haltung der Spvgg., die sich gegen eine rasche Einführung der NRW-Oberliga ausspricht, habe sich laut Trautmann zwar nichts geändert. Doch nicht nur der Funktionär befürchtet: „Das haben die Vereine wohl nicht zu entscheiden.“

In der Tat fällt diese Entscheidung das Präsidium des FLVW. An dessen Spitze steht mit Hermann Korfmacher einer der größten Verfechter der Fusion. Den gestern Anwesenden pries er die NRW-Oberliga unter anderem als besonders gut vermarktbar an. Zudem sei in den aktuellen Oberligen eine klare Schieflage zwischen ambitionierten und weniger ambitionierten Vereinen zu erkennen.

Hintergrund ist die Verschlankung im deutschen Fußball. Die Verbände sind im Rahmen der Ligareform aufgefordert worden, die Zahl der Oberligen von bundesweit neun auf sechs zu verringern. Anders als in Westfalen, soll die Mehrheit der Vereine am Niederrhein der Fusion positiv gegenüber stehen. Die gestrige Probe-Abstimmung in Kaiserau ergab 13:9 Stimmen gegen die Oberliga NRW.



Wenn Namen nur noch Schall und Rauch sind
Oer-Erkenschwick - Namen, so heißt es, sind Schall und Rauch. So auch im Oberligaspiel der Spvgg. gegen die Sportfreunde Lotte. Zwar machte dabei Lottes Trainer Klaus Bienemann nicht die beste Figur, doch das sei ihm verziehen.

In seiner Analyse zum 0:0 lobte Bienemann seine Verteidiger in den höchsten Tönen. Vor allem, wie sie sich gegen den Spieler „Westermann“ behauptet hätten, sei aller Ehren wert gewesen. Zwar fiel auch Bienemann umgehend ein, dass besagter Stürmer in Reihen der Spvgg. nun einmal Westerhoff und nicht Westermann heißt. Aber: Ebenso, wie der vom VfL Bochum II gekommene Blondschopf, der sich zu Jahresbeginn noch anschickte, die Oberliga-Torjägerkrone zu holen, im Loch steckt, ebenso schnell verliert sein Name den Schrecken.

Zu „Westers“ Ehrenrettung sei gesagt, dass sich auch seine Kontrahenten gestern Nachmittag äußerst zurückhaltend zeigten. Julian Lüttmann, dem bislang 20 Treffer gelungen waren, war bei Mirko Mustroph sogar vollends abgemeldet. Kein Wunder, dass selbst Philipp Kasperidus, der in seinem dritten Oberliga-Jahr am Stimberg kickt und die Tabelle in- und auswendig kennen sollte, am Ende ebenso überrascht war: „Was? Das war die zweitbeste Offensivmannschaft der Liga?“ In der Tat, da hatten die „Schwicker“ schon vor ganz anderen Kalibern gestanden.

Er sei zwar keiner, der jammere, bekannte Bienemann zwar noch, aber was das Verletzungspech seiner Mannschaft betrifft, sei kaum noch mehr möglich. Geholfen hat’s den Platzherren nicht. Trainer Manni Wölpper wusste: Ein Sieg, der gestern im Bereich des Möglichen gelegen hatte, und die Aussichten wären wieder bestens. Immerhin stiegen sie dann doch noch, weil Ahlen II und Emsdetten verloren und angesichts des schlechteren Torverhältnisses mehr als nur drei Punkte zur Spvgg. aufholen müssten. Pikant: Mit beiden hat es die Spvgg. noch auf eigenem Platz zu tun. Es wird also Zeit, die Tor-Blockade zu beenden.

„Chancenlos sind wir gegen keine Mannschaft der Liga“, sagte Wölpper am Ende beinahe trotzig. Also fahre er am Sonntag auch zum Tabellenzweiten nach Bielefeld, um dort zu punkten. Wahrscheinlich wieder mit der erprobten Salami-Taktik, denn bis auf Sawatzki konnte gestern kein Einwechselspieler überzeugen, sodass die Start-Elf schon wieder feststehten sollte. Warum auch nicht, sagt Philipp Kasperidus: „Jetzt sind wir schon vier Spiele ohne Gegentor. Das ist auch eine Leistung.“ Wenigstens „Kasper“ erfreute das 0:0. Viele andere freuten sich nicht so doll.



Seiten: 1 2 3 4 5 6 

Unitymedia