Presseberichte der Fussball Oberliga Westfalen vom 15.05.2007

"Wer soll uns jetzt noch schlagen?"
Oer-Erkenschwick - Manni Wölpper hatte Recht behalten. Freudig hatte er die Fahrt nach Bochum antreten wollen, ebenso freudig wollte er heimkehren. Mittlerweile dürfte er heimgekehrt sein.

Wenige Minuten nach dem verdienten 3:1-Sieg der Spvgg. bei der VfL-Reserve hatte Bochums Nachwuchskoordinator Jürgen Heipertz zur gemütlichen Skatrunde gebeten. Nun gilt Skat nicht gerade als Glücksspiel. Ein Glücksspiel dafür war das, was der Unparteiische in Bochum zuweilen ablieferte. Glück hatte Bochum, weil es bei allen haarigen Vergehen der „Blauen“ bei Ermahnungen blieb. Pech dafür die „Schwicker“, die die Partie zu Neunt beendeten.

Dass dennoch ein 3:1-Sieg dabei herum kam, spricht nur für die Gäste. „Erkenschwick hat hochverdient gewonnen, weil die Mannschaft mehr Leidenschaft gezeigt hat“, gab sogar Bochums Trainer Nico Michaty zu. „Eine Top-Leistung“ seiner Kameraden hatte auch Zouhair Allali gesehen, „denn selbst in solchen Spielen gibt es auch kein Zusammenbrechen mehr. Den Ausgleich haben wir doch gut weggesteckt wie die Platzverweise, und was später von Bochum kam, war bis auf ein paar Standards nichts, weil wir eben jederzeit so klasse dagegen gehalten haben.“

Ausgerechnet Allali, mögen manche jetzt meinen. Ob ihm die vielen Hundertprozentigen durch den Kopf gegangen sind, die er noch in der Vorwoche gegen Emsdetten vergeben hatte? „Egal, heute hat’s dafür geklappt“, atmete Allali auf, der die Schwarz-Roten in der 47. Minute auf die Siegerstraße geköpft hatte. Es war im übrigen seine einzige Torchance im gesamten Spiel – gestern war er damit „Mister 100 Prozent“.

Der einmal mehr unermüdlich rackerte, die Räume im zentralen Mittelfeld zustellte und so maßgeblichen Anteil daran hatte, dass der VfL gar nicht erst ins Spiel kommen konnte. Doch damit war Allali nicht alleine. Egal, wer das schwarz-rote Trikot in Bochum auch trug, er überzeugte durch Leidenschaft und Einsatz. Da wurde selbst der „Bock“, den Keeper Kozakowski vor dem 1:1 in der 22. Minute schoss, weggesteckt.

„Ausgerechnet an meinem 21. Geburtstag“, ärgerte sich „Koza“ aber nur kurz. Am Ende, als der VfL versuchte, über Standards noch das Remis zu erzwingen, bewahrte Kozakowski wieder kühlen Kopf und sicherte jeden Ball. „In der Halbzeit habe ich deshalb auch nicht auf ihm herum gehackt. Ich habe nur gesagt: ‚Koza, du hast schon so viele Punkte für uns geholt, jetzt lass‘ dich nicht hängen‘“, schildert Coach Manni Wölpper seine erfolgreiche Aufbauarbeit in der Kabine.

Für den Fußball-Lehrer steht seit gestern fest: „Im Prinzip sind wir durch.“ Sechs Punkte beträgt der Vorsprung auf einen Abstiegsrang, und da sich noch unter anderem Hamm und Ahlen und Hamm und Oestrich gegenseitig die Punkte wegnehmen werden, „und ich nicht denke, dass eine Mannschaft da unten noch neun Punkte holt“, blickt Wölpper gelassen dem Saisonende entgegen, in dem am Sonntag Meister SC Verl seine Aufwartung am Stimberg macht. Angesichts sieben ungeschlagener Spiele in Folge ist Wölpper dabei auch hier nicht bange: „Wer soll uns bei dieser Einstellung und bei diesem Lauf jetzt noch schlagen?“, fragt der Coach.



29 Sitzschalen am Badeweiher gehen zu Bruch
Hüls/Bochum. - Auch wenn es sich nach dem 31. Spieltag niemand am Badeweiher anmerken ließ: Der Abstieg des VfB Hüls aus der Oberliga Westfalen, seit Sonntag besiegelt, schmerzt.

Besonders bitter: Zur seelischen Pein kommt jetzt noch der materielle Schaden. Horst Darmstädter hat die Verwüstung, die randalierende Anhänger aus Wattenscheid im Badeweiher-Stadion anrichteten, schnell zusammen gefasst: „29 kaputte Sitzschalen, das Stück zu 35 Euro – plus Montage“ hat der Fußballboss gezählt. Bleibt die Frage, wer für den Schaden aufkommen wird. Heute, wenn der VfB auf gegen Preußen Münster II testet (19 Uhr), wird er wohl noch nicht behoben sein

Das Oberliga-Urgestein ist also endgültig abgestiegen. Nicht aber, ohne noch eine letzte Duftmarke zu hinterlassen. Beim 2:2 gegen Wattenscheid schien es fast, als wäre die Zeit zurück gedreht worden. Die Realität war zwar, dass der Vorletzte beim Letzten gastierte, doch das war nicht mehr von belang. Zumindest für Hüls nicht.

Erleichtert, fast ein wenig beschwingt wirkten die Verantwortlichen. Allen voran Trainer Klaus Täuber, der nach Wochen sportlichen Darbens endlich wieder Spaß hatte auf seiner Bank.

Spaß einer Mannschaft ohne ein halbes Dutzend Stammspieler. Ein Team, das so keiner auf der Rechnung hatte. Zwei Treffer in einer Partie – die hat der VfB Hüls in dieser Saison am Badeweiher noch nie erzielt. Stadionsprecher Köhler flippte fast aus, als Markus Krawietz die Hülser nach 48 Minuten ein Treffer gelang. „Juhu, ein Tor für den VfB Hüls“, jubelte der Mann.

Der VfB Hüls verabschiedet sich als Spitzenreiter der 1994 eingeführten „ewigen Oberliga-Tabelle“ in die Verbandsliga. Ein Jahr wird der VfB nun mindestens fehlen, danach wird mit der Einführung der Oberliga NRW ein neues Kapitel im Amateurfußball aufgeschlagen. Eins, zu dem auch die Spvgg. Erkenschwick beitragen will.

Nach dem 3:1 in Bochum im Prinzip gerettet, das war die wichtigste Nachricht. Die zweitwichtigste: Die Spvgg. ist in der Rückrunde mit 20 Punkten die siebtbeste Mannschaft der Liga, noch vor Preußen Münster übrigens. Mit Blick auf die kommende Qualifikation für die Oberliga NRW (Plätze fünf bis elf) ein schöner Fingerzeig. „Da möchte ich lieber den Ball flach halten“, sagt dazu Trainer Manni Wölpper.

Der Fußball-Lehrer weiß mittlerweile aber nur allzu gut: Es kann dauern, bis sich eine Mannschaft gefunden hat. In Bezug auf die Spvgg. dauerte das mehr als ein halbes Jahr lang. Erst in den vergangenen Wochen zeigt die Mannschaft das, wozu sie imstande ist. „Zumindest taktisch und mannschaftlich war Bochum unser bestes Saisonspiel“, befindet Wölpper.

Auch für ihn persönlich, der fünf Jahre lang die zweite Mannschaft des VfL betreute, war es schließlich ein einträglicher Abend. Beim sonntäglichen Skatabend mit VfL-Nachwuchskoordinator Jürgen Heipertz und Geschäftsführer Dieter Nickel ging Wölpper am Ende nämlich ebenfalls als Sieger vom Tisch.



So könnte die neue Liga aussehen
Recklinghausen. Es sieht so aus als könnte die Spvgg. Erkenschwick den Klassenerhalt schaffen. Drei Spieltage vor dem Saisonende steht sie sechs Punkte über den Abstiegsplätzen, am Stimberg wird wohl auch weiterhin Viertliga-Fußball gespielt. Allerdings: Würde nicht erst 2008 die Spielklassenreform anstehen sondern schon heute, dann müssten auch die Erkenschwicker in die Verbandsliga absteigen.

Mindestens Elfter müssen sie in der kommenden Saison werden, um sich für die neue NRW-Liga zu qualfizieren mindestens Vierter, um die Rückkehr in die Regionalliga zu schaffen. Derzeit nehmen diese Plätze in Westfalen der SC Verl, Arminia Bielefeld II, FC Schalke 04 II und FC Gütersloh 2000 ein, aus dem Nordrhein kämen RW Oberhausen, Alemannia Aachen, Bonner SC und Spvgg. Velbert hinzu. Die Ligareform sieht vor, dass unter der neuen 3. Bundesliga eine dreizügige Regionalliga eingeführt wird.

Darunter angesiedelt, dann nur noch als fünfte Klasse, käme in Nordrhein-Westfalen die Oberliga, eine Spielklasse der Fußballverbände Westfalen, Nieder- und Mittelrhein heute. Diese neu Liga hätte nach jetzigem Stand das folgendes Gesicht:

Westfalen-Vertreter: SV Lippstadt, Preußen Münster, westfalia Herne, SF Lotte, Delbrücker SC, Eintracht Rheine, VfL Bochum II (alle Oberliga), SV Schermbeck, Germania Gladbeck (Verbandsliga-Erste)

Rheinische Vertreter: SW Essen, 1. FC Kleve, MSV Duisburg II, Wuppertaler SV Borussia II, TuRu Düsseldorf, KFC Uerdingen, 1. FC Köln (alle Oberliga), Germania Dattenfeld, Fortuna Düsseldorf II (Verbandsliga-Erste)



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