Presseberichte der Fussball Oberliga Westfalen vom 29.05.2007

Erkenschwick ist gerettet - trotz der 4:6-Niederlage in Delbrück
Delbrück. Fußball verrückt am Delbrücker Laumeskamp: Doch obwohl ihre Mannschaft mit sechs Toren mehr Gegentreffer kassierte als in den letzten acht Spielen zusammen, veranstalteten die Fans der Schwarz-Roten nach dem Bekanntwerden der Schlussergebnisse einen wahren Freudentanz. Denn dank der Emsdettener Niederlage beim VfL Bochum II ist erneut bereits am vorletzten Saisonspieltag der Klassenerhalt des Teams von Trainer Manfred Wölpper auch rechnerisch endgültig in trockenen Tüchern.

"Wir haben ein Fußball-Fest gesehen, aber leider nicht in unserem Sinne", schüttelte der Erkenschwicker Coach lange nach dem Schlusspfiff immer noch ungläubig seinen Kopf. Sparte aber trotz der sechs Gegentreffer keineswegs mit Komplimenten für seine Spieler. Ganz speziell für Philipp Kasperidus, der im Mittelfeld ein Superspiel ablieferte. Aber auch für Janos Bluhm, der nicht nur die Vorarbeit zum 0:1 lieferte und mit dem Anschlusstreffer zum 5:4 noch einmal ein Angriffszeichen setzte, sondern auch sonst sehr gute Momente hatte. Aber auch für die gesamte Mannschaft, die sich nie aufgab, immer wieder nachsetzte und in den Schlussminuten dem abermaligen Ausgleich erneut ganz nah war.

Das war es auch, was die oftmals auch sehr kritischen Fans gestern vollauf versöhnte. Denn zweimal schienen die Schwarz-Roten während der verrückten Partie am Boden zu sein: Doch sie verkrafteten sowohl den Doppelschlag kurz vor der Pause zur Delbrücker 3:1-Führung (41./43.) als auch den 3:5-Rückstand (66./70.), nachdem zuvor Philipp Kasperidus (59.) und Edeljoker Daniel Seidel (65.) die Treffer zum 3:3 erzielt hatten. Und sie verkrafteten sogar noch mehr: Nämlich zwei fatale Fehler von Schlussmann Daniel Kozakowski, die zum 3:1 und 4:3 für Delbrück geführt hatten. Die Mannschaft wirkte trotz ihrer ungewöhnten Löcher in der Abwehr stets präsent, ließ sich nie hängen und unterstrich bis zum Schlusspfiff ihren unbedingten Willen zum Torerfolg.

Weshalb Wölpper auch nach dem Dankeschön in VfL Bochum II relativ entspannt wirkte. "Ich denke, dass wir wohl auch noch ein wenig feiern werden, wenn sich der Schock über die sechs Gegentore gelegt hat." Die Fans hatten das schon ausgiebig vorexerziert, nachdem der endgültige Klassenerhalt feststand. Und feierten ihr Team, das sich für so viel Unterstützung auch artig bedankte.

Manfred Wölpper (Erkenschwick): „Wir haben heute ein Fußballfest gesehen, nur leider nicht in unserem Sinne. Aber wir sind durch und das ist die Hauptsache. Ich bin froh, dass sich die junge Mannschaft nicht selbst unter Druck gesetzt und alles versucht hat. Wenn sich der Schock gelegt hat, werden wohl auch noch etwas feiern.“

Delbrücker SC: Büker Plucinski, Hansjürgen, Cirivello, Kuhn (55. Mesic), Welker, Wiebusch (69. Radtke), Capretti, Fulland, Fulhorst (76. Raschke), Berhorst

Spvgg. Erkenschwick: Kozakowski Fischer-Riepe (52. Seidel), Allali (62. Yildirim), Lemke (89. Vural), Mustroph, Kasperidus, Althaus, Setzke, Eisen, Westerhoff, Bluhm

Schiedsrichter: Nowak (Kirchhellen)

Zuschauer: 500

Tore: 0:1 (13.) Setzke, 1:1 (20.) Fulhorst, 2:1 (41.) Fulhorst, 3:1 (43.) Kuhn, 3:2 (59.) Kasperidus, 3:3 (65.) Seidel, 4:3 (66.) Fulhorst, 5:3 (70.) Fulhorst, 5:4 (73.) Bluhm, 6:4 (90. + 4) Raschke

Jürgen Seyb



Umjubeltes Harakiri
von Olaf Krimpmann

Delbrück. Es waren zwar nur etwa zehn Minuten, die die Ungewissheit währte. Doch für die zahlreichen Anhänger der Spvgg. Erkenschwick, für die Mannschaft, Vorstand und Trainer wurden sie zu einer kleinen Ewigkeit.

Selbst hatten sie es in der Hand gehabt, den Klassenerhalt mit einem Erfolg in Delbrück perfekt zu machen. Auf geradezu kolossale Art und Weise wurde diese vergeben - 4:6 hieß es aus Sicht der Spvgg. Es hätte auch 8:8 oder 9:7 heißen können, irgendwie gab es weder Taktik (zumindest auf Erkenschwicker Seite war lange keine zu erkennen), noch Torhüter (was für beide Seiten galt).

Als aus zehn Minuten Wartezeit gefühlte Stunden geworden waren, dann endlich doch die Erlösung: Emsdetten unterliegt Bochum, die Spvgg. hat es doch noch rechtzeitig gepackt und ist dem befürchteten Saisonfinale am Sonntag gegen Rot-Weiß Ahlen II aus dem Weg gegangen.

Selten wurde eine Niederlage anschließend so schön gefeiert wie in Delbrück. "Erkenschwicker, fantastica", skandierten etwa 60 Fans, die sich auf den weiten Weg gemacht hatten. Der Jubel bei den Spielern fiel allerdings etwas verhaltener aus: Sie wussten, dass sie vor 400 Zuschauern am Laumeskamp nur knapp am besagten Abstiegs-Endspiel vorbeigeschrammt waren. Denkbar knapp sogar.

"Ich werde jetzt nicht den Stab über meine Mannschaft brechen. Ich denke, in einer halben Stunde, wenn die Anspannung vorbei ist, wird die Stimmung auch lockerer", krächzte mehr, als dass er sprach, ein sichtlich mitgenommener Manni Wölpper.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Martin Setzke nutzte die erste Gelegenheit, um die Spvgg. in der 13. Minute in Führung zu bringen. Im Anschluss aber brachen bereits alle Dämme. Während Delbrück fast jede Torchance nutzte und in dem vierfachen Torschützen Fulhorst den überragenden Mann auf dem Feld hatte, patzte die Spvgg. ein ums andere Mal.

Trotzdem: Einen Vorwurf wollte am Ende niemand machen, denn Leidenschaft und Einsatz stimmten. Als Daniel Seidel in der 65. Minute zum 3:3 traf, drohte die Partie sogar noch zu kippen. Doch die Spvgg. spielte am Laumeskamp auch danach (fast) nur eins - Harakiri.

Die Bilder des Spiels gibt es bei uns im Internet unter http://www.recklinghaeuser-zeitung.de/cpg/thumbnails.php?album=113 . Dann wählen Sie bitte Ihren Zeitungstitel aus.



Fulhorsts finaler Viererpack
FUSSBALL-OBERLIGA: Delbrücker SC siegt im letzten Heimspiel mit 6:4 (3:1)-Toren

VON SIGURD GRINGEL

Delbrück. Großer Jubel herrschte gestern Nachmittag am Laumeskamp. Der Delbrücker SC feierte mit einem 6:4 (3:1)-Erfolg seinen torreichsten Oberligasieg und verabschiedete sich für diese Spielserie beim Heimpublikum. Aber auch die Gäste aus Erkenschwick hatten trotz der Pleite gut lachen. Sie sicherten sich den Ligaverbleib.

Zwar mussten sie die Heimreise ohne Punkte antreten, aber dennoch durften sie ihren Nichtabstieg feiern. Schützenhilfe bekam Erkenschwicks Coach Manni Wölpper ausgerechnet von seinem ehemaligen Arbeitgeber VfL Bochum II. Da die Bundesligareserve die Spielvereinigung Emsdetten mit 2:1-Toren schlug, sind die Erkenschwicker mit vier Zählern Vorsprung bereits gerettet.

Aber auf Schützenhilfe wollten sie sich nicht verlassen. Das machten sie im Spiel deutlich. Durch Torjäger Martin Setzke gingen sie in der 13. Minute in Führung. Dietmar Fulhorst glich allerdings sechs Minuten später nach einer Flanke von Florian Fulland per Kopf aus. Der scheidende Angreifer - er verlässt den Klub zum Saisonende - hatte gestern einen Sahnetag erwischt. Von Alessandro Cirivello geschickt, überlupfte er Erkenschwicks Keeper Kozakowski zur Delbrücker Führung (41. Min.). Sein Teamkollege Ansgar Kuhn sorgte nur zwei Minuten später mit einem satten Schuss für die entspannte 3:1-Pausenführung.

Doch die Gäste gaben längst nicht auf. Durch Kasperidus (58.) und Seidel (64.) kamen sie wieder ins Spiel. Doch keine 60 Sekunden nach dem Ausgleich stellte Fulhorst den alten Abstand wieder her.

Es blieb spannend. Denn wieder verkürzten die Gäste. Diesmal durch Bluhm. Erst in der Nachspielzeit machte der eingewechselte Ulf Raschke mit seinem sechsten Saisontreffer alles klar.

"Wir wollten uns unbedingt mit einem Sieg verabschieden und haben wirklich alles dafür getan. Um so mehr freut es mich, dass es schließlich geklappt hat", feierte Trainer Roger Schmidt einen gelungenen Abschied von den Delbrücker Fans.



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