Presseberichte der Fussball Oberliga Westfalen vom 08.06.2007

Nichterteilung bleibt ohne Folgen
Fussball. (O.K.) Was wurde in den letzten Tagen gemunkelt, spekuliert und fabuliert! Offenbar für nichts und wieder nichts. Denn alle 18 sportlich für die Oberliga Westfalen qualifizierten Vereine haben die Lizenz für die kommende Spielzeit erhalten, darunter auch die beiden heimischen Vertreter Spvgg. Erkenschwick und SV Schermbeck. -

Das bestätigte auf Anfrage des Medienhauses Bauer Thomas Wember, der Vorsitzende der Oberliga-Zulassungskommission. Von den durchgesickerten Lizenz-Verweigerungen, über die landesweit heftigst spekuliert worden war, sind ausschließlich Vereine betroffen, die für die nächste Saison ohnehin keine Rolle spielen im westfälischen Amateur-Oberhaus:

Die SG Wattenscheid 09, da sie bereits sportlich abgestiegen ist, und Vorwärts Kornharpen, da der Verein sich gar nicht erst sportlich qualifizieren konnte.

Einzig im Falle von Germania Gladbeck wurde ein zweites Mal geprüft.

Zum Zeitpunkt der Lizenzerteilung war noch nicht bekannt, dass sich einer der Hauptsponsoren (Colosseum) beim Verbandsliga-Vizemeister zurückziehen werde, womit dem Vernehmen nach rund ein Drittel des Etats fehlen. Thomas Wember: "Es wurden weitere Sponsorenverträge vorgelegt, sodass wir der Zulassung positiv entsprochen haben."

Natürlich, räumt der Recklinghäuser ein, gäbe es gerade im Falle der aus der Verbandsliga kommenden Neulinge stets Unwägbarkeiten. Allerdings bleibe es dabei, dass selbst langjährige Oberligisten hart an der Grenze planen würden. Die finanziellen Möglichkeiten der Vereine seien "konstant auf niedrigem Niveau".

Fünf Vereine hätten die Zulassung mit Bedenken, zwei sogar nur mit erheblichen Bedenken erhalten. Wer diese Vereine seien, werde aber im Gegensatz zu den früheren Jahren nicht bekannt gegeben.

Oberliga Westfalen 07/08 -

FC Schalke 04 II

Arminia Bielefeld II

SV Lippstadt 08

FC Gütersloh 2000

SC Preußen Münster

Westfalia Herne

Sportfreunde Lotte

SC Delbrück

VfL Bochum II

FC Eintracht Rheine

Spvgg. Erkenschwick

Sportfr. Oestrich-Iserlohn

Hammer SpVg.

Rot-Weiß Ahlen II

SV Schermbeck

SC Wiedenbrück

TSG Sprockhövel

Germania Gladbeck



FLVW: Wattenscheid und Kornharpen ohne Lizenz
"Würden wir nach Überschuldung gehen, hätten wir keine 18 Teams"

Die Lizenz-Entscheidung des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen ist gefallen. Wattenscheid 09 und Vorwärts Kornharpen haben für die Oberliga kein grünes Licht erhalten. Doch die beiden wirtschaftlichen K.O.-Schläge haben keine Auswirkungen auf die sportliche Situation. Die 09er sind sowieso in die Verbandsliga abgestiegen, der SVK hat den Sprung nach oben nicht geschafft. Thomas Wember, Vorsitzender des Wirtschaftlichkeits-Ausschusses, hat aber auch positive Entwicklungen ausgemacht. Besonders den Aufsteiger aus Schermbeck, Wiedenbrück und Sprockhövel macht der Funktionär ein großes Kompliment. RevierSport sprach mit dem Finanz-Experten über die Gründe der getroffenen Entscheidungen und über das "Sorgenkind" Germania Gladbeck.

Herr Wember, warum haben Wattenscheid und Kornharpen keine Lizenz erhalten?

In Wattenscheid gab es ja sogar einen offenen Brief des Vorstandes, der die Lage darstellt. Ich denke, dass wenn der Verein so einen Schritt einleitet, sich jeder Kommentar erübrigt. Auch in Kornharpen waren unsere Zweifel sehr groß. Und die Aussagen in den Unterlagen haben unsere Bedenken dann unterstützt. Folglich können wir beiden keine positive Nachricht übermitteln.

Sind Sie erleichtert, dass es keine Auswirkungen auf die sportliche Lage in den Ligen hat?

Natürlich. Zum Glück ergeben sich keine Konflikte. Aber wir schauen nur auf die wirtschaftliche Situation, hätten auch so entschieden, wenn die beiden Clubs anders dagestanden hätten. Schließlich ist das Geschäftsjahr 2006 sowie die Planungen für die Spielzeit 07/08 ausschlaggebend.

Was meinen Sie genau?

Wenn wir nach der Überschuldung der Mannschaften gehen würden, hätten wir keine 18 Vereine zusammenbekommen. Deshalb prüfen wir die Liquidität, damit die Verantwortlichen ihre Verbindlichkeiten bedienen können und werden. Es gibt immer wieder Abweicher, die den Etat dann doch überschreiten. Da sind uns dann allerdings die Hände gebunden. Wenn dies durch Mehreinnahmen kompensiert wird, ist es für uns noch okay.

In Fachkreisen wird der Fall Germania Gladbeck heiß diskutiert. Denn dort hat sich ja der Hauptsponsor "Colloseum" zurückgezogen. Haben Sie die aktuelle Entwicklung mit in Betracht gezogen?

Selbstverständlich. Das sind wir den anderen Vereinen auch schuldig. Wir haben schnellstens reagiert und kommen aufgrund der eingereichten Verträge zu keinem negativen Ergebnis. Bei Verbandsligisten ist es immer ein größeres Risiko, doch das kann man nie ausschließen. Was in der nächsten Woche passiert, kann ich nun einmal nicht sagen.

Der Nordrhein macht immer wieder durch finanzielle Eskapaden der Teilnehmer auf sich Aufmerksam. In Westfalen herrscht seit Jahren Ruhe. Woran liegt das?

Warum es die Unterschiede gibt, kann ich nicht beurteilen. Wir sind jedenfalls froh, dass unsere Arbeit von Erfolg gekrönt ist.

Thorsten Richter



GLADBECK: Erfolgs-Coach Naumann schafft Aufstieg
"Ich bin ein Gestörter"

Den Zuschauern in Sodingen bot sich nach dem Schlusspfiff ein ungewöhnliches Bild. Während die Spieler des SVS auf den Boden sanken, da der Abstieg besiegelt war, ließen sich auch die Gladbecker fallen und schauten mächtig genervt drein. Dabei war die DJK bereits am Samstag durch die Klassenverbleibe von Borussia Dortmund II und SF Siegen aufgestiegen und alle Fans erwarteten eine Party. Doch weit gefehlt. Coach Guido Naumann war sogar so sauer, nicht den Meistertitel geholt zu haben, dass er sich in die Kabine zurückzog und das Aufstiegsfoto ohne ihn gemacht wurde. RevierSport sprach mit dem Ex-Profi über die turbulenten Tage und die kommenden Aufgaben.

Herr Naumann, herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg in die Oberliga. Aber warum haben Sie sich gar nicht gefreut?

Naumann: Wenn ich in der 90. Minute die 3:2-Führung mache, und dann noch den Ausgleich kriege, bin ich sauer. Wir hatten schon einen Tag zuvor gefeiert, haben uns vor dem Spiel in Sodingen auch schon um elf Uhr zum Frühstück getroffen. Erst als wir an den Krusenkamp zurückkamen, wurde noch eine Party gemacht. Ich will doch Meister werden. In so einer Beziehung bin ich nun einmal ein Gestörter, deshalb brauchte ich erst einmal meine Ruhe.

Warum hat es gegen den Absteiger aus Sodingen nur zu einem 3:3-Remis gereicht?

Ich hatte nur noch einen A-Jugendlichen auf der Bank, sonst keine Spieler mehr zur Verfügung. Der Mannschaft muss man ein großes Kompliment machen, denn die Voraussetzungen waren mit Sicherheit nicht optimal. Dass die Substanz zum Schluss nicht mehr ausreichte, war klar, denn ich hatte nur noch 15 Akteure an Bord.

Kritiker behaupten, dass Gladbeck die meiste Kohle hat und deswegen nicht jammern soll. Was sagen Sie dazu?

Wir waren in der Rückrunde die billigste Mannschaft, denn die Jungs haben ohne Prämien und für einen Appel und ein Ei gespielt. Wir sind keine Millionarios wie es die Leute immer behaupten. Seit dem Winter gab es nur noch die Truppe und mich. Wir hatten keine Unterstützung, sondern waren auf uns alleine gestellt. Wir haben unser Ding geschafft, für den Rest, wie die wirtschaftliche Situation, sind nicht wir verantwortlich.

Die vierte Klasse ist eine ordentliche Hausnummer. Wie stehen Sie dem Sprung nach oben gegenüber?

Die Oberliga bedeutet extrem viel. Darmstadt 98 oder Saarbrücken sind drin, eine Truppe wie Wattenscheid nicht mehr. Und wir als kleiner Dorfverein aus Gladbeck sind dabei. Das ist großartig. Die Leute müssen verstehen, dass es eine ganz große Geschichte ist.

Als neuen Torwart-Trainer möchten Sie Heinz-Georg "Mutz" Menzenbach, der bereits die Keeper Tobias Ritz oder Oliver Bautz trainierte, verpflichten, richtig?

Ja, er hat richtig Ahnung und schon etliche Torleute nach oben geführt. Das wäre perfekt.

Thorsten Richter



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